{"id":1196,"date":"2015-10-23T00:33:32","date_gmt":"2015-10-22T22:33:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/?p=1196"},"modified":"2015-10-23T00:34:13","modified_gmt":"2015-10-22T22:34:13","slug":"1196","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/?p=1196","title":{"rendered":"Mein erster Tag in Bolivien"},"content":{"rendered":"<p>Ich sitze mit zwei von drei Autoschraubern in einer Schrauber-WG in einem kleinen \u00d6rtchen namens San Ignacio de Velasco 300 Kilometer hinter der Grenze im wilden Bolivien und schaue Fernsehen. Wahrscheinlich sind sie gar keine WG, sondern Vater, Sohn und Onkel. Drau\u00dfen ist es dunkel. Die Lehmstra\u00dfen des St\u00e4dtchens stauben vor sich hin. Der Toyota steht zwischen mehreren schrottreifen Fahrzeugen auf dem Hinterhof mit aufgebautem Dachzelt. Gleich gehe ich schlafen. Was ist passiert?<\/p>\n<p>Der Tag fing circa 100 Kilometer vor der bolivianischen Grenze in der brasilianischen Stadt Caceres an. Ich verlie\u00df das Hotel und folgte der BR-070 \u2013 derzeit meine Lieblingsstra\u00dfe in Brasilien \u2013 bis zur Grenze auf einer perfekt ausgebauten Asphaltstra\u00dfe. Der Verkehr war quasi Null, und der Grenz\u00fcbergang war supereinfach. Weder auf brasilianischer noch auf bolivianischer Seite gab es Komplikationen, so dass ich innerhalb von 20 Minuten durch war. In der ersten bolivianischen Stadt namens San Martins direkt hinter der Grenze tauschte ich Geld und tankte den Wagen auf. Ich fragte die Tankw\u00e4rtin, wann die n\u00e4chste Tankstelle k\u00e4me, und sie antwortete: In 400 Kilometern. Oops, das habe ich das letzte Mal in Kasachstan erlebt. Dann brach ich weiter Richtung Westen auf.<\/p>\n<div class='polaroid-gallery galleryid-1196' style='width:auto;'>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Stra\u00dfe-auf-brasilianischer-Seite-1024x575.jpg\" title=\"Stra\u00dfe auf brasilianischer Seite\" rel=\"polaroid_808661500\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Stra\u00dfe-auf-brasilianischer-Seite-140x140.jpg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Stra\u00dfe-auf-bolivianischer-Seite-1024x575.jpg\" title=\"Stra\u00dfe auf bolivianischer Seite\" rel=\"polaroid_808661500\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Stra\u00dfe-auf-bolivianischer-Seite-140x140.jpg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p>Drei Dinge fielen mir in diesem Land sofort auf:<\/p>\n<ol>\n<li>W\u00e4hrend die Stra\u00dfe in Brasilien viel besser war, als beschrieben, war die Stra\u00dfe in Bolivien absolut erwartungskonform: Eine schlecht gewartete Erd- und Schotterpiste, auf der man 50 bis 80 km\/h fahren konnte.<\/li>\n<li>Die Leute sprechen alle Spanisch. Spanisch verstehe ich noch schlechter als Portugiesisch.<\/li>\n<li>W\u00e4hrend ich in Brasilien bisher genau drei Mal meinen Pass vorzeigen musste \u2013 bei der Einreise, bei meiner \u00dcbernachtung auf einem improvisierten Fu\u00dfballfeld w\u00e4hrend meiner Reise nach Fortaleza und bei der heutigen Ausreise \u2013 , musste ich mich in den ersten vier Stunden in Bolivien an sechs Stra\u00dfensperren des Milit\u00e4rs und an einer Polizeisperre ausweisen. Was f\u00fcr ein Kontrollstaat!<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bei jeder Milit\u00e4rsperre wurden mein Name, mein Fahrzeug inklusive Nummernschild sowie mein Reiseziel handschriftlich in extra daf\u00fcr vorgesehene B\u00fccher eingetragen. Ich war fast immer der einzige an den Sperren. Viel Verkehr konnte es hier nicht geben. Bei der Polizeisperre, ganze 250 Kilometer hinter der Grenze, wurde ich von einem Polizisten dar\u00fcber aufgekl\u00e4rt, dass ich eine \u201eDeclaracion Judical\u201c f\u00fcr mein Auto br\u00e4uchte, und er zeigte mir, wo ich dieses Dokument bek\u00e4me, n\u00e4mlich f\u00fcnf H\u00e4user weiter die Stra\u00dfe hinunter. F\u00fcr diesen Service wollte er mit einem freundlichen aber fordernden L\u00e4cheln im Gesicht 50 Bolivianos haben, umgerechnet circa sechs Euro. Ok, es gibt in Bolivien also korrupte Bullen.<\/p>\n<p>Der Offizielle bei der Vergabe der Deklaration war \u00e4u\u00dferst freundlich und korrekt. Ich bekam von ihm ein Dokument, mit dem mein Auto f\u00fcr 30 Tage in Bolivien bleiben darf. Dieser Service kostete \u00fcbrigens nichts. Auf f\u00fcr die Information, dass ich noch eine Immigrationsstempel in meinem Pass br\u00e4uchte, wollte der Beamte kein Geld. Den Stempel w\u00fcrde ich genau in der Stadt bekommen, in der ich jetzt mit den Schraubern vorm Fernseher sitze.<\/p>\n<p>Kurz bevor ich die Stadt erreichte, hielt mich ein LKW-Fahrer auf der Stra\u00dfe an und fragte mich, ob ich ihn bis zur n\u00e4chsten Tankstelle mitnehmen k\u00f6nnte. Ich willigte ein. An der Tankstelle am Eingang der Stadt fiel ihm beim Aussteigen auf, dass ziemlich viel \u00d6l aus meinem Motor tropfte. Das \u00d6l kam aus einer undichten \u00d6lleitung unterhalb des Turbos. Hmpf. Ich sollte mich daran gew\u00f6hnen, dass schlechte Stra\u00dfen Autos kaputt machen, besonders alte Autos.<\/p>\n<p>Eine Selbstreparatur war ausgeschlossen, da ich ein neues St\u00fcck \u00d6lleitung brauchte. Au\u00dferdem muss man Masochist sein, wenn man gerne an hei\u00dfen Motoren herumfummelt. Da es schon dunkel wurde, beschloss ich, in die Stadt zu fahren und mich nach einer Werkstatt durchzufragen. Und dort sitze ich nun in der Schrauber-WG, die mir angeboten hat, den Wagen die Nacht \u00fcber abk\u00fchlen zu lassen, mich in ihrem Bad zu duschen und auf dem Hof zu schlafen. Ich besorgte den Jungs Bier und mir eine bolivianische SIM-Karte. Und jetzt gehe ich ins Dachzelt. Morgen sehen wir weiter. Buenas notes, amigos!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sitze mit zwei von drei Autoschraubern in einer Schrauber-WG in einem kleinen \u00d6rtchen namens San Ignacio de Velasco 300 Kilometer hinter der Grenze im wilden Bolivien und schaue Fernsehen. Wahrscheinlich sind sie gar keine WG, sondern Vater, Sohn und &hellip; <a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/?p=1196\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1,9],"tags":[],"class_list":["post-1196","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-reise-entdeckungen"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/s64WYd-1196","jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1196","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1196"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1196\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1200,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1196\/revisions\/1200"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}