{"id":2317,"date":"2018-01-19T00:57:41","date_gmt":"2018-01-18T23:57:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/?p=2317"},"modified":"2019-06-23T13:53:24","modified_gmt":"2019-06-23T11:53:24","slug":"mein-letzter-beitrag-in-diesem-blog","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.segunda-feira.de\/?p=2317","title":{"rendered":"Mein letzter Beitrag in diesem Blog"},"content":{"rendered":"<p>Knapp drei Jahre meines Lebens in einer fremden Kultur gehen n\u00e4chste Woche zu Ende. Nat\u00fcrlich stimmt mich der Abschied traurig, denn in dieser Zeit haben sich intensive Freundschaften entwickelt. Meine Nachbarn und Freunde Flavio sowie Irene haben mir faktisch auf regelm\u00e4\u00dfigen langen Hundespazierg\u00e4ngen Portugiesisch beigebracht. Hamilton, den ich vom Schwimmen kenne, ist meine Verbindung zur wahren Welt der Brasilianer. Von ihm habe ich den ganzen Stra\u00dfenslang gelernt. Jamie k\u00f6nnte mit seinem Cockney-Akzent direkt einem Guy Ritchie-Film entsprungen sein. Und Paulo ist mit dem Besuch von Rike und Lauran zu uns gesto\u00dfen. Seitdem haben wir uns immer wieder getroffen, um uns gegenseitig Deutsch und Portugiesisch beizubringen und unsere musikalischen Vorlieben auszutauschen.<\/p>\n<div class='polaroid-gallery galleryid-2317' style='width:auto;'>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/flavio.jpeg\" title=\"Flavio und seine j\u00fcngsten Kids\" rel=\"polaroid_1651584189\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/flavio-140x140.jpeg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Irene.jpeg\" title=\"Irene\" rel=\"polaroid_1651584189\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Irene-140x140.jpeg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamilton.jpeg\" title=\"Hamilton\" rel=\"polaroid_1651584189\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Hamilton-140x140.jpeg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Jamie.jpeg\" title=\"Jamie\" rel=\"polaroid_1651584189\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Jamie-140x140.jpeg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<a href=\"http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paolo.jpeg\" title=\"Paulo (Duff Shirt)\" rel=\"polaroid_1651584189\" class=\"polaroid-gallery-item showcaption\"><span class=\"polaroid-gallery-image\" title=\"\" style=\"background-image: url(http:\/\/www.segunda-feira.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Paolo-140x140.jpeg); width: 140px; height: 140px;\"><\/span><\/a>\n\t\t\t<br style=\"clear: both;\" \/><\/div>\n\n<p>Ich werde die Ruhe und Gelassenheit der brasilianischen Kultur, die Offenheit und Freundlichkeit, die man uns entgegengebracht hat, das andauernd gute Wetter und die riesigen Weiten Brasiliens vermissen. Was ich an diesem Land nicht vermissen werde, sind die M\u00fccken, die elenden Bremsschwellen auf den Stra\u00dfen und die Tatsache, dass man Klopapier nicht ins Klo werfen darf, weil die Abflussrohre viel zu klein dimensioniert sind.<\/p>\n<p>Letztendlich bin ich jedoch nicht wegen der Kultur in das Land gekommen, sondern ich wollte die lange Auszeit nutzen, um ein besserer Mensch zu werden. Ich wollte mich mehr um die Erf\u00fcllung meines Traumes k\u00fcmmern, Schriftsteller zu werden. Neben dem reinen Story Telling, also dem Handwerk, war es mir wichtig, den Geschichten, die ich ver\u00f6ffentliche, eine hintergr\u00fcndige Tiefe zu verleihen und damit eine Botschaft zu vermitteln. Vor dem eigentlichen Schreiben habe ich meine Zeit daher intensiven Recherchen gewidmet.<\/p>\n<p>Im ersten Roman war der Hintergrund technischer und moralischer Natur. Kohlenstoffnanor\u00f6hren sind ein viel versprechender Baustoff der Zukunft, da sie eine hohe Zugfestigkeit mit extremer Leichtigkeit verbinden. In pulverisierter Form sind sie jedoch \u00e4hnlich gef\u00e4hrlich wie Asbest und k\u00f6nnen nach dem Einatmen eine Lungenfibrose bis hin zu Lungenkrebs ausl\u00f6sen. Dieses k\u00fcnstlich hergestellte Material ist theoretisch das erste, mit dem der Bau einen Weltraumaufzuges und damit eine drastische Kostensenkung f\u00fcr die Bef\u00f6rderung von Nutzlasten in den Weltraum m\u00f6glich sind. In dem Roman, in dem ich meine anf\u00e4nglichen Reiseerfahrungen in Brasilien habe einflie\u00dfen lassen, verleihe ich meiner Bef\u00fcrchtung Ausdruck, dass der praktische Nutzen f\u00fcr den reichen Teil der Welt die gesundheitlichen Gefahren f\u00fcr die Menschen, die sich nicht vor den negativen Auswirkungen der Kohlenstoffnanor\u00f6hren sch\u00fctzen k\u00f6nnen, \u00fcberwiegen wird.<\/p>\n<p>Die Vorarbeiten f\u00fcr das zweite Buch waren stark beeinflusst von der Fl\u00fcchtlingskrise, die Deutschland seit 2015 in Atem hielt. Ich vermute, dass ich aufgrund der Abwesenheit aus meinem Heimatland mich mehr mit den moralischen Fragen im Umgang mit Wirtschafts- und Kriegsflucht und deren Hintergr\u00fcnde besch\u00e4ftigt habe als mit den praktischen Auswirkungen in Deutschland selbst. Ich denke auch, dass ich als jemand, der gerne extreme Reisen unternimmt und in einem fremden Land lebt, nur wenige Ber\u00fchrungs\u00e4ngste mit fremden Kulturen und Menschen habe. Aus meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung wei\u00df ich, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen deutlich gr\u00f6\u00dfer sind als die Unterschiede.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung mit Fluchtursachen hat mich schnell zu den geostrategischen Zielen der USA und Europa gef\u00fchrt, welche im \u00f6ffentlichen Diskurs von den Mainstream-Medien komplett herausgefiltert werden. Diese Ziele sind jedoch ein wichtiger Schl\u00fcssel, um die gegenw\u00e4rtigen und zeitgeschichtlichen Vorg\u00e4nge sowie Entwicklungen in der Welt zu verstehen. Daran schlie\u00dft sich nat\u00fcrlich die Frage an, warum der politische und mediale Mainstream in Deutschland die Hintergr\u00fcnde des milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Engagements der NATO-L\u00e4nder der \u00d6ffentlichkeit vorenthalten. Meine Nachforschungen m\u00fcndeten letztendlich in ein Weltbild, das demjenigen des Gro\u00dfteils meiner Landsleute in weiten Teilen diametral entgegensteht.<\/p>\n<p>Eine Konsequenz meiner neuen Weltsicht war Wut. Wut auf die \u00f6ffentlich-rechtlichen und privaten Leitmedien in Deutschland, die ihrem Auftrag einer wahrhaftigen und ausgewogenen Berichterstattung nicht nachkommen. Wut auf mich selbst, weil ich mich so lange von der Propaganda in unserer Politik und unseren Medien habe blenden lassen. Und schlie\u00dflich auch Wut auf diejenigen, die noch immer blind an die Wahrhaftigkeit der Nachrichten in den Leitmedien glauben und meine Aussagen f\u00fcr vollkommenen Bl\u00f6dsinn halten. Viele Dialoge, die ich in der Zeit der Recherche f\u00fcr mein zweites Buch gef\u00fchrt habe, sind in Grundz\u00fcgen in die Story eingeflossen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann ich die Haltung meiner zweifelnden Gegen\u00fcber nachvollziehen, wenn auch nicht in ihrer Radikalit\u00e4t. Schlie\u00dflich wei\u00df ich, wie wenig Zeit in einer 40-Stunden-Arbeitswoche bleibt, um sich aktiv mit den Hintergr\u00fcnden von Politik und Weltgeschehen zu besch\u00e4ftigen. Ich hatte die Gelegenheit, mich \u00fcber zwei Jahre mit dieser Thematik Vollzeit auseinanderzusetzen und selber Recherchen anzustellen. Eine gewisse Entt\u00e4uschung bleibt jedoch, wenn mir aufgrund meiner Meinung N\u00e4he zu rechtspopulistischem Gedankengut, mangelnde Vertrauensw\u00fcrdigkeit oder mentale Unzurechnungsf\u00e4higkeit vorgeworfen wird. Meinungsverschiedenheiten kann man nur l\u00f6sen, wenn man sich den Fakten und Hintergr\u00fcnden eines strittigen Themas n\u00e4hert. Pers\u00f6nliche Angriffe zeugen von einer mangelnden Bereitschaft dazu.<\/p>\n<p>In den Diskussionen, die ich gef\u00fchrt habe, hatte ich den Eindruck, es ging gar nicht um Fakten und Tatsachen, sondern um einen Glaubensgrundsatz. Wer nicht an die Wahrhaftigkeit des Mainstreams glaubt, der muss nicht ganz richtig im Kopf sein. \u201eI am sorry, but I am not convinced!\u201c, ist meine Haltung dazu. 69 % der amerikanischen Bev\u00f6lkerung haben einer Umfrage der Washington Post zufolge zur Zeit der Irakinvasion geglaubt, Saddam Hussein w\u00e4re mitverantwortlich f\u00fcr 9\/11 gewesen. Man kann einfach nicht leugnen, dass es Propaganda in den westlichen Demokratien gibt. Erstaunlich ist nur, wie viel bei n\u00e4herem Hinsehen Propaganda und wie wenig wahrhaftig ist.<\/p>\n<p>Ich habe es mittlerweile aufgegeben, mich mit Totalleugnern, die ihr durchweg positives Bild der westlichen Welt partout aufrecht erhalten wollen, ernsthaft auseinanderzusetzen. In Glaubensfragen z\u00e4hlen keine Argumente, daher macht es auch keinen Sinn zu argumentieren. Was bleibt, ist meine Wut, die mir den Magen versauert. Bei der Frage, was wir mit unserem Leben nach Brasilien anstellen wollen, sind Sylvia und ich zu dem Schluss gekommen, der kapitalistischen Lebensweise, die wir als Motor der negativen Entwicklung unserer Kultur identifiziert haben, dauerhaft, so weit es geht, den R\u00fccken zu kehren. Daher haben wir in Deutschland einen zum Wohnmobil ausgebauten LKW gekauft, in den wir nach unserer R\u00fcckkehr einziehen werden. Dann machen wir uns auf, um in Europa ein Ecovillage zu finden, das sich nachhaltig selbst versorgt und das zu uns passt, um uns dort f\u00fcr den Rest unseres Lebens niederzulassen. So jedenfalls der grobe Plan.<\/p>\n<p>Das ist eine Strategie, der Ohnmacht, die mich befallen hat und die Ausl\u00f6ser meiner Wut ist, positiv zu begegnen. Es reicht meines Erachtens nicht aus, auf die Zust\u00e4nde in unserer Welt hinzuweisen und trotzdem darin weiterzuleben, als ob die Erkenntnisse \u00fcber die Missst\u00e4nde keine pers\u00f6nlichen Konsequenzen h\u00e4tten. Ich bin aufgrund meiner Recherchen \u00fcberzeugt, dass die auf Kapitalismus basierende Weltwirtschaft alle paar Jahrzehnte zusammenbrechen muss, um danach wieder wie ein Ph\u00f6nix aus der Asche neu zu erbl\u00fchen. Insbesondere aufgrund der extrem hohen Gesamtverschuldungsquote der USA, die deutlich h\u00f6her liegt als w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre, gehe ich davon aus, dass wir am Ende eines solchen Zyklus angekommen sind. Weil die Weltwirtschaft mittlerweile durch die Globalisierung stark vernetzt ist und weil die USA eine unglaubliche Bewaffnung aufweisen, vermute ich, dass der Zusammenbruch extrem heftig wird. Meine gr\u00f6\u00dfte Bef\u00fcrchtung ist jedoch, dass danach alles wieder von vorne losgeht.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter m\u00fcssen wir Menschen uns damit abfinden, mit den Ressourcen, die uns die Erde zur Verf\u00fcgung stellt, auszukommen. Denn obwohl wir uns mit der Quantenmechanik bereits mit dem besch\u00e4ftigen, was das Universum im Inneren zusammenh\u00e4lt, ist weit und breit noch nicht einmal theoretisch eine Technologie in Sicht, die unsere gesamte Gattung in einer Lebensspanne zu einem anderen Stern und damit zu anderen bewohnbaren Planeten transportieren kann. Doch die Art, wie wir derzeit leben, f\u00fchrt geradewegs ins Desaster. Insgeheim wei\u00df das jeder.<\/p>\n<p>Eine weitere Strategie ist es, diejenigen, die \u00fcber einen wachen Geist verf\u00fcgen und die Widerspr\u00fcche, auf denen unsere westliche Welt aufgebaut ist, sehen k\u00f6nnen, zu unterst\u00fctzen. Was die Menschheit ben\u00f6tigt, ist nicht noch mehr Krieg, noch mehr Aufr\u00fcstung, noch mehr Klimawandel und noch mehr Beeinflussung durch Medien. Was wir brauchen, ist eine neue Aufkl\u00e4rung, in der wir wieder lernen, unseren gesunden Menschenverstand zu benutzen, anstatt der Meinung Anderer ungepr\u00fcft zu vertrauen. Die Erkenntnisse, die wir daraus gewinnen, sollten die Grundlagen f\u00fcr unsere Entscheidungen bilden, wie wir unsere Zukunft positiv gestalten. Daher habe ich die Hintergr\u00fcnde und Argumente, auf denen meine Weltsicht aufbaut, inklusive vieler Belege und Verweise niedergeschrieben und auf meiner Hauptseite unter dem Titel \u201e2 + 2 = 4\u201c ver\u00f6ffentlicht (siehe: <a href=\"http:\/\/www.karstenmontag.de\/download-e-book-2-2-4-warum-wir-eine-neue-aufklaerung-brauchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/www.karstenmontag.de\/download-e-book-2-2-4-warum-wir-eine-neue-aufklaerung-brauchen\/<\/a>). Ich lade jeden, der sich berufen f\u00fchlt, dazu ein, mit mir konstruktiv, sachlich und wertsch\u00e4tzend \u00fcber die Hintergr\u00fcnde und meine Schlussfolgerungen in einen Dialog zu treten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp drei Jahre meines Lebens in einer fremden Kultur gehen n\u00e4chste Woche zu Ende. 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