Stand der Genforschung zum Alterungsprozess

Der Tod ereilt uns alle. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber warum werden wir alt und sterben? Die Frage klingt blasphemisch, ist aber durchaus berechtigt. Schließlich gibt es Lebewesen auf der Erde, die deutlich älter werden als wir Menschen. Tatsächlich gibt es Tiere wie den Hummer, denen man sogar Unsterblichkeit nachsagt. Hier ein Link zu den zehn langlebigsten Tieren der Welt: http://www.zehn.de/die-10-langlebigsten-tiere-der-welt-6780609-0.

Man könnte jetzt meinen, dass das Körpergewebe irgendwann alt und verbraucht ist. Das ist jedoch zu kurz gedacht. Täglich sterben Millionen von Zellen in unseren Körpern, werden aber wieder durch neue ersetzt. Nicht das Alter unserer Zellen begrenzt unsere Lebenszeit, sondern deren Fähigkeit sich zu teilen. Diese Begrenzung nennt man Hayflick-Grenze. Ausschlaggebend für die Anzahl der Zellteilungen sind die Telomere, eine für die Zellteilung benötigte Molekülkette an den Enden der Chromosomen, sowie das Enzym Telomerase, das in bestimmten Zellen und zu einem bestimmten Zellalter die Telomere nach einer Teilung wieder verlängern kann.

Um ein Bild von diesem Vorgang zu bekommen, zunächst eine kurze Auffrischung über den Aufbau und die Teilung von Zellen in Form von kurzen Lehrfilmen:

Für die Entdeckung, wie Chromosomen durch Telomere und das Enzym Telomerase geschützt werden, haben die Forscher Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak 2009 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhalten. Die Entdeckung ist ein großer Schritt in der Forschung über den Prozess der Alterung und altersbedingte Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und Parkinson. In deren Kielwasser schwimmen dann Wissenschaftler, die bereits das Ende der Sterblichkeit heraufbeschwören. Leider sind die folgenden Videos nur noch in Englisch.

Ich kann den Enthusiasmus dieser Forscher verstehen. Auch ich halte den Tod für einen asozialen Anachronismus. Doch ihre Vorträge bestehen hauptsächlich aus Heilsversprechungen und enthalten nur wenig inhaltliche Information. Als Beweis für ihre Vorschritte werden häufig Mäuse gleichen Alters gezeigt, von denen eine jung und dynamisch und die andere alt und grau aussieht. Quält man sich durch die Vorträge der ursprünglichen Entdecker und Nobelpreisträger, dann erkennt man, dass man dem Prozess der Alterung zwar auf der Spur, jedoch noch weit davon entfernt ist, das Altern von Menschen konkret aufzuhalten geschweige denn umzukehren.

Vorträge über Telomere und Telomerase der drei Träger des Nobelpreises für Physiologie oder Medizin für 2009:

Während die beiden Damen weiterhin in der Forschung über Telomere und Telomerase tätig sind, hat sich Jack Szostak von dem Thema abgewendet, weil er keine Lust hat, Mäuse aufzuschlitzen. Stattdessen forscht er jetzt nach dem Ursprung von Leben. Irgendwie sympathisch.

In den Vorträgen taucht immer wieder der Begriff „Sirtuine“ auf. Mit Sirtuine beschreibt man eine Familie von Enzymen, die in allen Lebewesen vorkommen. Menschen verfügen über sieben unterschiedliche Sirtuine (Sirt1-7), die offenbar zu einem uralten Überlebensprogramm gehören. So stellt man eine erhöhte Sirtuin-Aktivität fest, wenn der Körper dauerhaft einer strengen Diät unterzogen wird. Die Lebensspanne von Mäusen kann allein durch eine lebenslange Reduzierung von Kalorien um 50 % verlängert werden.

Letztendlich kommt die Forschung zu Erkenntnissen, die bereits eine gefühlte Ewigkeit bekannt sind. Die Lebensspanne lässt sich verlängern, wenn man folgende Hinweise beachtet:

  • Gifte aus dem Körper lassen
  • Übergewicht vermeiden
  • Kalorienreduktion
  • Senkung von körperlichem und mentalem Stress

Allerdings ist das Ziel der Forschung, Telomerase- und Sirtuin-Aktivität künstlich zu stimulieren, um Alterungsprozesse ohne eine Änderung des individuellen Lebenswandels hinauszuzögern. Das klingt irgendwie nach einer verbotenen Abkürzung, die nur mit massiven Nebenwirkungen erkauft werden kann.

Trotz der berechtigten Zweifel glaube ich ähnlich wie die enthusiastischen Wissenschaftler, dass eine künstliche Beeinflussung des Alterungsprozesses möglich ist, sobald der Alterungsprozess in Organismen vollständig verstanden ist. Bis wir entsprechende Mittel, die einen nachgewiesenen Effekt erzeugen, in der Apotheke kaufen können, werden vermutlich noch einige Jahrzehnte vergehen. Ich vermute eher, dass es schon bald sehr teure Mittel zu kaufen gibt, die eine Wirkungsweise ähnlich der zig Haarwuchsmittel besitzen: nämlich gleich Null.

Kommentar verfassen