Ich schreibe wieder

Nach mehreren Monaten Recherche habe ich mit meiner neuen Geschichte angefangen. Ich brauche allerdings noch ein wenig, bis ich die ersten Kapitel hier im Blog veröffentlichen kann. Schließlich stehen in nächster Zeit einige Kurzreisen nach Rio de Janeiro und Manaus an, und im Dezember will ich für drei Monate mit dem Auto nach Patagonien.

Die Rechercheergebnisse habe ich im Blog „Eine Welt“ veröffentlicht. Doch Vorsicht! Das ist starker Tobak. Schließlich komme ich zu dem Schluss, dass der Krieg gegen den Terror eine einzige riesige Kriegslüge ist, die größte Gefahr für den Weltfrieden seit 70 Jahren von den USA ausgeht und die westlichen Leitmedien die Kriegspropaganda der westlichen Länder unterstützen.

Meine neue Geschichte handelt unter anderem von der Dualität – das seltsame Gefühl, dass entweder man selbst oder die ganze Welt verrückt ist –, welche Menschen empfinden, die sich mit den Fakten zur Weltpolitik der letzten 70 Jahre auseinandersetzen und nicht verstehen, wieso die westlichen Leitmedien im Grundtenor genau das Gegenteil der Erkenntnisse verbreiten, welche die Fakten zwingend implizieren.

Im Laufe meiner Recherchen habe ich tatsächlich so etwas wie Paranoia bekommen und mich mit alternativen Betriebssystemen zu Windows beschäftigt. Es kann auch sein, dass ich mich davor gedrückt habe, endlich mit dem Schreiben anzufangen. Die Folge ist, dass ich jetzt nur noch mit Linux Mint arbeite und Windows, das man eigentlich nur noch für ganz wenige Spezialprogramme benötigt, als virtuelle Maschine unter Virtualbox installiert habe. Wie so etwas aussieht, kann man in diesem Video bewundern:

Das Kreuz mit Importautos in Brasilien

Zelten im Pantanal

Als ich vor eineinhalb Jahren nach Brasilien kam, habe ich mir einen Toyota Hilux SW4 gekauft. Die Gründe waren, dass es einer ganzen Reihe von Erfahrungsberichten zufolge ein sehr robustes Auto sein sollte und dass es relativ häufig in Südamerika zu finden war.

Doch der Wagen ist ein Importauto, das in den USA hergestellt wurde. Dort wurde es übrigens unter dem Namen „4Runner“ verkauft wurde und in Europa als „Hilux Surf“. Was es bedeutet, ein Importauto in Brasilien zu besitzen, wurde mir zum ersten Mal klar, als ich nach Ersatzteilen in einem Autoteileladen fragte: Weder waren Teile für den Wagen vorrätig, noch war der Verkäufer in der Lage, welche zu bestellen.

Also fuhr ich damals zu dem einzigen Laden in Brasilia, der alte Toyota-Jeeps reparierte, um den Wagen für die Reisen letztes Jahr in den Nordosten und nach Bolivien fit machen zu lassen. Die Aktion hat umgerechnet schlappe 1.500 Euro gekostet. Überholt werden sollten unter anderem der Turbo sowie die Klimaanlage. Zudem sollten einige Gelenke der Lenkung ausgetauscht werden.

Nach den beiden Reisen war ich extrem angefressen, weil sowohl der Turbo als auch die Klimaanlage kaputt gegangen waren und mindestens ein Gelenk der Lenkung nicht ausgetauscht worden war. Da ich zwischenzeitlich Turbo und Klimaanlage hatte reparieren lassen, beschloss ich, die Arbeiten der Jeep-Werkstatt nicht zu reklamieren und zukünftig mein Auto größtenteils selbst zu reparieren.

Mittlerweile bestelle ich Ersatzteile über drei verschiedene Internetanbieter aus Sao Paulo, die Teile von Importautos in Brasilien vertreiben. Ich habe mir ordentliches Werkzeug und Rampen zugelegt, um die regelmäßigen Reparaturen durchzuführen. Denn leider gehen an dem Auto relativ häufig Teile zu Bruch, was jedoch hauptsächlich an der schlechten Wartung und unsachgemäßen Reparaturen des Wagens durch die Vorbesitzer liegt.

Nach der Reise ins Pantanal standen einige Arbeiten an, um zukünftig sorgenfrei zu neuen Abenteuern aufzubrechen: Der Wagen verlor Motoröl am vorderen Wellendichtring der Kurbelwelle, die Servolenkung verlor Öl, der Kühler war undicht, das Getriebe verlor Öl aufgrund eines defekten Sensors für das Rückfahrscheinwerferlicht und die Lichtmaschine produzierte eine zu geringe Ladespannung. Zudem wollte ich die Einspritzdüsen und die Glühkerzen austauschen.

Beim Austausch der Einspritzdüsen beschädigte ich die Diesel-Rückführleitung, was dazu führte, dass der Wagen zeitweilig Diesel, Motoröl, Getriebeöl, Servolenkungsöl und Kühlwasser gleichzeitig verlor. Es tropfte an allen Ecken und Enden. In einer konzertierten Aktion von zwei Wochen tauschte ich den Rückfahrscheinwerfersensor, die Dichtungen im Servolenkungsgetriebe, die Dichtung am vorderen Kurbelwellenende, die Diesel-Rückführleitung, die Einspritzdüsen sowie die Glühkerzen aus und ließ den Kühler und die Lichtmaschine in zwei Spezialwerkstätten in Sao Sebastiao überholen. Die Kosten für die Ersatzteile und Spezialwerkzeuge lagen bei umgerechnet ca. 300 Euro. Das Überholen des Kühlers hat 20 Euro gekostet, das Überholen der Lichtmaschine 40 Euro. Wenn man genau weiß, was man von einer Werkstatt will und die defekten Teile selber ausbaut sowie nicht nach Brasilia fährt, sondern in eine der Vorstädte, wird man als Gringo auch nicht abgezockt.

Bei meinen Reparaturen musste ich feststellen, dass ein alter Wellendichtring im Servolenkungsgetriebe falsch herum eingebaut worden war, mit der Staublippe nach innen und der empfindlichen Feder nach außen. So etwas schafft nur jemand, der absolut keinen Plan von der Funktionsweise dieses Bauteils hat. Kein Wunder, dass der Ring undicht geworden ist. Der Hammer war jedoch, dass der alte Wellendichtring an der Kurbelwelle schief eingebaut worden war. Eine Seite stand mehrere Millimeter vor. Ich fühlte mich bestätigt in meinem Beschluss, die Reparaturen an meinem Auto selbst durchzuführen. Anders als in Deutschland, wo zum Eröffnen einer Autowerkstatt ein Meisterbrief erforderlich ist, darf sich in Brasilien jeder, der einen Schraubenschlüssel halten kann, Mechaniker nennen und offiziell Autos reparieren. Das heißt nicht, dass Menschen ohne formale Ausbildung per se schlechtere Arbeit abliefern. Ich habe schließlich auch keine Ausbildung als Automechaniker, sondern nur ein Vordiplom in Maschinenbau. Was jedoch fehlt, sind Standards, so dass die Gefahr hoch ist, dass man in einer Werkstatt an einen Scharlatan gerät, der einen auch noch abzockt. So muss es den Vorbesitzern des Autos sowie mir bei meiner ersten Werkstatt in Brasilien ergangen sein. Daher sind in Brasilien Empfehlungen äußerst wichtig. Die Empfehlungen für Spezialwerkstätten bekomme ich von meinem präferierten Teilehändler für allgemeine Autoteile in Sao Sebastiao, wo ich faire Preise zahle und regelmäßig einen Discount bekomme, ohne danach zu fragen, sowie mittlerweile mit Handschlag begrüßt werde.

Hier noch einige Beweisfotos von meinen Reparaturaktionen:

Festival im Centro Olímpico in Ceilândia

7 Centros 7 Länder

7 Centros, 7 Länder

Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Ich hatte einfach keinen Bock. Jetzt habe ich einiges nachzuholen. So zum Beispiel ein Ereignis, das sich Anfang Juli im Centro Olímpico in Ceilândia zugetragen hat.

Ich schwimme ja zweimal die Woche im Centro Olímpico in Sao Sebastiao. Als mich der Trainer nach der Schwimmstunde fragte, ob ich Lust hätte, an einem Festival teilzunehmen, sagte ich zu, ohne zu wissen, was auf mich zukommt. Zwei Tage Später, an einem Samstag, musste ich um sieben Uhr morgens in Sao Sebastiao sein, um mit dem Bus weiterzufahren. Ich erfuhr, dass es im Distrito Federal zwölf Centros Olímpicos gibt und dass sieben davon zu einer Einheit gehören, die regelmäßig Festivals veranstalten. Jedes der Centros symbolisiert ein Land. Zufälligerweise steht das Centro Olímpico in Sao Sebastiao für Deutschland. Ceilândia symbolisiert China.

Die Fahrt bis nach Ceilândia dauerte eine geschlagene Stunde. Dort angekommen herrschte eine Atmosphäre wie auf den DLRG-Wettkämpfen in Deutschland. Ich fühlte mich ein wenig wie zuhause.

Eigentlich war ich nur für die 4 mal 50 Meter Kraul-Staffel vorgesehen, doch ich bot mich an, auch mehr zu schwimmen, und so schwamm ich 50 Meter Rücken, 50 Meter Kraul, 2 mal 50 Meter Kraul in der Staffel, da der vierte Mann fehlte, sowie mit insgesamt zehn Schwimmern 30 Minuten lang 25-Meter-Staffeln. Danach konnte ich kaum noch aus dem Becken krabbeln.

Regelrecht gerührt war ich von der Abschlussveranstaltung, in der nach dem Singen der Nationalhymne die Vorstellung der Brasilianer von China dargeboten wurde.

Das Ergebnis würde meine ehemalige Schwimmtrainerin stolz machen.

Strahlender Sieger

Das Pantanal ist so, wie man sich den Amazonas vorstellt

Kaiman (Jacaré) am Rio Miranda im Pantanal, Foto: Sylvia Montag

Das Pantanal ist so, wie man sich den Amazonas vorstellt. Das sagt man hier so, weil man im Pantanal angeblich die Tiere sieht, die dem gemeinen Besucher am Amazonas verborgen bleiben. Grund für Letzteres soll sein, dass sich die Tiere dort eher im Wald und an den kleinen Nebenflüssen aufhalten als an dem riesigen Amazonas-Fluss. Ob das wirklich so ist, werde ich im Oktober prüfen können. Zum Pantanal möchte ich selbstbewusst behaupten, dass es zurecht UNESCO-Weltnaturerbe ist. Es ist einer der Biodiversitäts-Hotspots dieses Planeten und obwohl wir nur zwei Tage im Kerngebiet waren, hat mich das Naturerlebnis regelrecht umgehauen. Übrigens: Laut Wikipedia ist das Pantanal (portugiesisch für Sumpf) mit einer Fläche von etwa 230.000 Quadratkilometern fast genauso groß wie die Bundesrepublik Deutschland vor der Wiedervereinigung. Damit ist es eines der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde.

„Bestimmt ganz schön mückig und heiß“, assoziert der Laie richtig. Mitte Juli aber, also im tiefsten Winter und damit in der Trockenzeit, ist das Klima mit rund 25 Grad am Tage großartig und die Mückenplage kaum größer als an einem Sommertag am Baggersee in Moers-Scherpenberg. Am besagten Baggersee gibt es jedoch keine Kaimane, Jaguare oder Capybaras. Es gibt auch keine wilden Aras, Affen, Ameisenbären oder Riesenstörche mit dem lustigen Namen Tuiuiu.

Abgesehen von dem Jaguar hab ich alle diese Tiere gesehen. Teilweise sehr, sehr, sehr nah…

Während mich die Aras in Freiheit am meisten berührt haben und mir bei den Alligatoren der Atem stockte, bin ich ein echter Fan der Capybaras geworden. Die sehen nicht nur aus wie Riesenmeerschweinchen, sie gehören tatsächlich zu ihrer Famile. Nur eben dass sie bis zu 70 Kilogramm schwer werden und damit die größten Nagetiere der Welt sein sollen. Knuffig, oder?

Riesenmerschweinchen (Capybaras) am Rio Miranda im Pantanal, Foto: Sylvia Montag

Die politische Entwicklung in Brasilien

Für diejenigen, die der englischen Sprache mächtig sind, empfehle ich diesen Artikel des in Brasilien lebenden amerikanischen Pulitzer-Preisträgers Glenn Greenwald: https://theintercept.com/2016/06/30/major-new-brazil-events-expose-the-fraud-of-dilmas-impeachment-and-temers-corruption/

Ich mag nicht mehr berichten. Mir wird einfach nur schlecht, wenn ich die brasilianischen Nachrichten lese. Was hier in Brasilien stattgefunden hat, ist ein kalter Putsch, und die Welt tut so, als wäre alles mit rechten Dingen zugegangen. Ich habe zudem die Hoffnung in die Aufrichtigkeit der brasilianischen Justiz verloren, die offenbar Teil des Komplotts gegen die demokratisch gewählte Präsidentin Dilma Rousseff ist.

150 Tonnen Wasser

Ein Jahr hat er daran gearbeitet. Einen Ecopool – ein Schwimmbecken, das durch ein System von Pflanzen, Pumpen und Filtern ohne Chlor oder andere Chemikalien gereinigt wird – wollte er bauen. Zu Beginn der letzten Regenzeit wollte er fertig werden, doch Risse in der Abdichtung haben das Befüllen mit Wasser verhindert. Nun ist die Überarbeitung der Abdichtung fertig, doch die Regenzeit ist noch drei Monate entfernt und das Dichtmaterial braucht Wasser, um nicht wieder von der heißen Sonne zerstört zu werden. Sechs Tanklaster mit insgesamt 150 Kubikmetern Wasser waren nötig, um das Becken zu füllen. Jetzt hat unser Nachbar Jamie seinen Ecopool.

Mehr Dokumentation gibt es hier: https://www.facebook.com/EcoPoolsBrasil/?rc=p

Teori Albino Zavascki…

… kennt kein Schwein. Es existiert noch nicht einmal eine Wikipediaseite von ihm in einer anderen Sprache als Portugiesisch.

Trotzdem ist er die derzeit wichtigste Person in Brasilien. Als Vorsitzender des Obersten Gerichtshof des Landes muss er entscheiden, ob er dem Antrag des Generalstaatsanwalts Rodrigo Janot stattgibt, den Vorsitzenden des Senats Renan Calheiros, den ehemaligen Staatspräsidenten und Senator José Sarney, den ehemaligen Vorsitzenden der Abgeordnetenkammer und Hauptantreiber des Amtsenthebungsverfahrens gegen Rousseff Eduardo Cunha sowie den zurückgetretenen Planungsminister und Vorsitzenden der PMDB Romero Jucá wegen Behinderung der Justiz zu verhaften. Diese vier Politiker sind alle Mitglieder der PMDB und haben sich auf den Audiomitschnitten des ehemaligen Ölmanagers Machado selbst entlarvt.

In zwei Jahren ist Richter Zavascki 70 und geht in den Ruhestand. Die Frage ist, ob er als positive oder negative Figur in die Geschichte seines Landes eingehen will. Wenn in den nächsten Wochen die Meldung kommt, dass er von seinem Amt zurückgetreten ist, dann wissen wir, wie er sich entschieden hat. Es erscheint undenkbar, dass er bei dieser Beweislage den Antrag ablehnen kann.

Mehr dazu: http://www.heise.de/tp/news/Haftantraege-gegen-fuehrende-Vertreter-der-De-facto-Regierung-in-Brasilien-3231653.html

Manipulation der Meinungsbildung

Das Weglassen von Nachrichten ist eine mächtige Form der Manipulation. „Der Spiegel“ ist Deutschlands einflussreichstes Nachrichtenmagazin und trägt hauptsächlich zur Meinungsbildung der Deutschen bei. Sein Internetableger „Spiegel Online“ schweigt seit einer Woche zu den aktuellen Enthüllungen in Brasilien, welche die offizielle Begründung für das Amtsenthebungsverfahren der Präsidentin Dilma Rousseff in einem äußerst zweifelhaften Licht erscheinen lassen. Die Audiomitschnitte von Gesprächen eines Ex-Ölmanagers, der eine Kronzeugenregelung mit der Staatsanwaltschaft vereinbart hat, mit hohen Amtsträgern wie zwei Ministern des neuen Kabinetts, dem Vorsitzenden des Senats sowie einem Ex-Staatspräsidenten Brasiliens beweisen, dass die Motivation für die Amtsenthebung nicht „Haushaltsmanipulationen“ Dilma Rousseffs ist. Tatsächlich ist es der bisher erfolgreiche Versuch hochrangiger brasilianischer Politiker, sich der Strafverfolgung der Staatsanwaltschaft wegen Korruptionsvorwürfen zu entziehen, welcher zur augenblicklichen Suspendierung der Präsidentin geführt hat.

Die Gesprächspartner des Ex-Ölmanagers reden sich in den Mitschnitten um Kopf und Kragen. Der Planungsminister Jucá wurde  wegen der Enthüllungen bereits nach zwei Wochen im Amt von diesem wieder entbunden. Derzeit fordern Berater des Interimspräsidenten Michel Temer, dass er auch dem Transparenzminister (ja, solche Ministerien gibt es in Brasilien) wegen seiner Kritik am Generalstaatsanwalt in den Audiomitschnitten den Rücktritt nahelegen sollte. Unterdessen verteidigt der Senatsvorsitzende Renan Calheiros seine Äußerungen zur Abschaffung der Kronzeugenreglung in den mitgeschnittenen Gesprächen als „politische Meinung“. Ausgerechnet der Senat wird letztendlich über die endgültige Amtsenthebung Dilma Rousseffs entscheiden. Die überwältigende Mehrheit im Abgeordnetenhaus sowie im Senat, die für die Einleitung bzw. Fortführung des Amtsenthebungsverfahrens gestimmt hat, ist in diesem Licht betrachtet ein Hinweis auf die Wirksamkeit der Maßnahmen der derzeit suspendierten Präsidentin zur Aufarbeitung des Korruptionsskandals sowie auf die Verbreitung der Korruption im brasilianischen Nationalkongress.

Während seit einer Woche kaum ein anderes Thema die Titelseiten der brasilianischen Zeitungen, auch die der Rede Globo-Presse, ziert, berichtet Spiegel Online über eine Massenvergewaltigung und über die  Gefahr des Zika-Virus für die Olympischen Spiele in Brasilien. Nicht, dass dies keine wichtigen Nachrichten wären, doch es sind eben nicht die Breaking News, die das Land gerade in Atem halten.

Wer Mainstream-Medien in Deutschland verfolgt, kann den Eindruck bekommen, das Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff wegen Korruptionsvorwürfen des Amtes enthoben wird, weil dies teilweise genau so berichtet wird. Dies ist jedoch faktisch falsch. Wenn dann auch noch Nachrichten über Beweise weggelassen werden, welche die Motivation der Betreiber des Amtsenthebungsverfahrens, die selber mit schweren Korruptionsvorwürfen konfrontiert oder im Ausland bereits de facto der Korruption überführt sind, entlarven, dann muss man an der Neutralität und Unabhängigkeit deutscher Mainstream-Medien wie dem Spiegel ernsthaft zweifeln.

Wer sich ein anderes, vielleicht auch neutraleres Bild von den Vorgängen in Brasilien machen möchte, empfehle ich folgende Links:

Neues aus Brasilistan

Die Geschehnisse in Brasilien entwickeln sich zu einem Politkrimi, den man sich als Schriftsteller kaum besser ausdenken kann.

Ein Ex-Politiker und Ex-Ölmanager mit dem wohlklingenden Namen José Sérgio de Oliveira Machado hat im März, kurz vor dem Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff, konspirative Gespräche mit denjenigen, die das Verfahren gegen die mittlerweile suspendierte Präsidentin betrieben haben, geführt und auch heimlich aufgezeichnet. Er tat dies aufgrund eines Deals mit der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn laufen Ermittlungen im Lava Jato-Korruptionsskandal.

Seit dem Regierungswechsel steht die Staatsanwaltschaft unter Druck. Der neue Justizminister hat bereits angedroht, dass der oberste Staatsanwalt nicht mehr lange im Amt bleiben wird. Als Reaktion darauf hat die Staatsanwaltschaft anscheinend damit begonnen, die Audiomitschnitte an die Zeitung Folha de S.Paulo zu lancieren. Am Montag veröffentliche die Zeitung die Aufzeichnungen des ersten Gesprächs zwischen Machado und dem neuen Planungsminister Romero Jucá von der PMDB, gegen den seit März 2015 Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht laufen. Jucá bestätigt darin alles, was man bereits vermuten konnte: Das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff ist ein Komplott, um die Strafverfolgung gegen korrupte Politiker zu stoppen. Er sprach von einem Ende des „Blutvergießens“. Dieser Abschnitt, den Jucá geäußert hat, ist besonders brisant:
„Conversei ontem com alguns ministros do Supremo. Os caras dizem ‚ó, só tem condições de [inaudível] sem ela [Dilma]. Enquanto ela estiver ali, a imprensa, os caras querem tirar ela, essa porra não vai parar nunca‘. Entendeu? Então… Estou conversando com os generais, comandantes militares. Está tudo tranquilo, os caras dizem que vão garantir. Estão monitorando o MST, não sei o quê, para não perturbar.”

Übersetzung:
„Ich habe gestern mit einigen Ministern des Obersten Gerichtshofs gesprochen. Die Jungs haben gesagt: ‚Pass auf, es gibt nur Erfordernisse [unhörbar] ohne sie [Dilma]. Solange sie dort [im Amt] ist, wollen die Presse, die Jungs ihr [das Amt] wegnehmen, diese Scheiße wird nie aufhören.‘ Verstehst du? Nun… Ich bin im Gespräch mit den Generälen, den Militärkommandanten. Alles ist cool. Die Jungs sagen ihre Unterstützung zu. Sie überwachen die MST [Movimento dos Trabalhadores – Arbeiterbewegung], was weiß ich, damit sie nicht stören.“

Wie weit ist das Militär in die Machtübernahme verstrickt? Wie wird es sich verhalten, wenn die Proteste der Arbeiterbewegung eskalieren?

Jucá ist mittlerweile seines Ministeramtes entbunden worden.

Heute, am Mittwoch, wurde das zweite von Machado mitgeschnittene Gespräch mit dem Senatsvorsitzenden Renan Calheiros von der PMDB veröffentlicht. Der Senat in Brasilien ist in etwa vergleichbar mit dem deutschen Bundesrat und entscheidet letztendlich über die Amtsenthebung der zurzeit suspendierten Präsidentin. In dem Gespräch sagt Calheiros, gegen den auch Ermittlungen wegen der Verwicklung in den Lava Jato- sowie einen anderen Korruptionsskandal laufen, dass er eine Gesetzesänderung unterstützt, um die Kronzeugenreglung abzuschaffen. Die Kronzeugenreglung ist das zentrale Mittel, mit dem die Staatsanwaltschaft den Korruptionsskandal aufdeckt. Es ist das Mittel, das Machado dazu bewogen hat, seine alten Kumpels ans Messer zu liefern.

Heute Nachmittag berichtete die Folha de S.Paulo über die Inhalte eines dritten mitgeschnittenen Gespräches zwischen Machado und dem Ex-Staatspräsidenten José Sarney von der PMDB, der von 1985 bis 1990 Präsident von Brasilien war. Ihm wurden während seines Amtes immer wieder Korruption und Unregelmäßigkeiten bei öffentlichen Ausschreibungen sowie Begünstigungen für die Presse im Austausch gegen positive Berichterstattung vorgeworfen. Allerdings wurden die Vorwürfe nie vom brasilianischen Parlament untersucht. 2009 deckte die brasilianische Bundespolizei auf, dass er Zeitungen und Fernsehsender missbraucht hatte, um einen politischen Rivalen anzugreifen.

In dem Gespräch versicherte Sarney seine Unterstützung, dass Machados Fall nicht an den Bundesrichter Sérgio Moro übertragen wird, und deutete dabei an, dass dies „ohne die Einsetzung eines Anwalts“, also unter der Hand geschehe. Sérgio Moro ist der zuständige Ermittlungsrichter im Lava Jato-Korruptionsskandal und der Mann in Brasilien mit echten Eiern in der Hose. Er wurde von mehreren Zeitungen 2014 und 2015 zum Brasilianer des Jahres erklärt.

Derzeit jagt in der brasilianischen Presse eine Schlagzeile die nächste über die heimlichen Mitschnitte des Sérgio Machados, welche die Interimsregierung Michel Temers sowie die offizielle Begründung für das Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff vollkommen unglaubwürdig machen. Doch während sich die Nachrichten überschlagen, demontiert die Regierung gerade den Sozialstaat. Vorgesehen sind drastische Kürzungen bis zu 50 Prozent bei Sozialleistung sowie beim öffentlichen Bildungs- und Gesundheitssystem.

Es sieht so aus, als ob Brasiliens Demokratie gerade an einem seidenen Faden hängt. Dieser seidene Faden heißt Oberster Gerichtshof, der sich offenbar in vielen Fragen selbst nicht einig ist. Man kann nur hoffen, dass die moralisch Motivierten einen längeren Atem haben als die Geschmierten.

Weiter unten finden sich einige Links zu deutschen Nachrichten zur aktuellen Entwicklung in Brasilien. Ich verstehe allerdings nicht, warum deutsche Mainstream-Medien die suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff immer wieder in Verbindung mit dem Korruptionsskandal bringen, obwohl gegen sie keine konkreten Verdachtsmomente vorliegen. Im Gegenteil, die Regierung von Dilma Rousseff hat der Staatsanwaltschaft den Rücken gestärkt und zugelassen, dass selbst Politiker der PT und engste Vertraute angeklagt und verurteilt wurden. Wird hier einfach kritiklos von der tendenziösen Rede Globo-Presse in Brasilien abgeschrieben?

Im Übrigen schweigt Spiegel Online, eine Zeitung, die sich nicht scheut, kurzfristig schlecht recherchierte Meldungen gegen Dilma Rousseff zu veröffentlichen, beharrlich zu den seit Montag galoppierenden Ereignissen in Brasilien. Worauf wartet diese Zeitung? Oder passen die Enthüllungen nicht zu dem Bild, das diese einflussreiche Gazette von der Politik in Brasilien zeichnen will?

Tomb Raider Dschungelprüfung

Am Samstag haben wir mit Mira und Martin, einem Kollegen von Sylvia, ein privates Naturreservat 130 Kilometer südlich von Brasília erkundet. Der Vorteil dieser Einrichtung: Im Gegensatz zu Nationalparks darf Kollege Loukas mitkommen. Übernachtet haben wir auf einer Pousada, die sich hier befindet.

Am Sonntag ging es mit Führer durch das Reservat, das zum Teil sehr an die Kulisse von Tomb Raider erinnerte.