Zweites Buch fertig: „Flucht aus Deutschland“

Nach einem Jahr Recherche und fünf Monaten Schreibarbeit ist mein zweites Buch fertig. Die Arbeit daran hat mich, mein Leben und meine Sicht auf die Welt grundlegend und nachhaltig verändert. Man kann es hier als Taschenbuch oder E-Book käuflich erwerben.

Als Science Fiction-Autor interessiert mich die zukünftige Entwicklung der Menschheit, und ich wollte wissen, was in der allernächsten Zeit auf uns zukommt. Gemäß meinen Vorbildern Aldous Huxley und George Orwell habe ich also erst einmal einen Blick in augenblickliche Entwicklungen und in die allerjüngste Geschichte gewagt, um herauszufinden, wie es weitergeht. Ohne Zweifel verändern Informationstechnologien und das Internet unser Leben derzeit in vielerlei Hinsicht. Arbeitsplätze in der Produktion und in der Dienstleistung verschwinden derzeit für immer aufgrund von Automatisierung und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Das Internet hat die Globalisierung durch internationale Produktionsketten erst richtig beschleunigt. Soziale und alternative Medien über das Internet wachsen zur Konkurrenz für die etablierten Massenmedien heran und können den Ausgang von Wahlen beeinflussen.

Die klassische Science Fiction beschäftigt sich genau damit: Wie verändern Wissenschaft und Technologie unser menschliches Leben? Doch wenn man einmal die Ausgrabungen der antiken Stadt Pompeji besucht oder sich mit römischem Recht beschäftigt hat, wird einem gewahr, dass sich das urbane gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb von 2.000 Jahren kaum verändert hat. Wissenschaft und Technik verändern ja auch nicht die Eigenschaften von uns Menschen, sondern die technologischen Errungenschaften nutzen wir hauptsächlich dafür, unsere menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Mobbing und Hate Speech hat es auch schon vor dem Internet und dem Aufkommen sozialer Netzwerke gegeben. Solange wir Menschen also nicht massenhaft an unserem genetischen Code herumfummeln, werden wir auch in Zukunft so bleiben, wie wir sind – lediglich mit ein paar zusätzlichen mehr oder weniger sinnvollen technischen Gadgets.

Was unsere Welt im Augenblick jedoch massiv verändert, ist unsere Kultur, die unser Leben seit der Sesshaftigkeit vor über 10.000 Jahren bestimmt, und ihre derzeitig besonders hervorstechenden Ausprägungen wie

  1. der Kapitalismus und seine besondere Form des Neoliberalismus, der Befreiung des Kapitalismus von jedweder Regulierung, welche zu einer beschleunigten Umverteilung des Reichtums von der Allgemeinheit in die Hände Weniger führen sowie
  2. die geopolitischen Ziele der Eliten der USA und Westeuropas, die sich im Krieg gegen den Terror sowie im neuen Kalten Krieg gegen Russland und China manifestieren.

Zu 1.) Dass Besitzende mehr Rechte haben als Besitzlose, zieht sich seit der Sesshaftigkeit durch die Menschheitsgeschichte bis in unser Grundgesetz. Dort finden wir das Grundrecht auf Eigentum und Erbe, jedoch nicht ein explizites Grundrecht auf Arbeit oder Sozialhilfe. Massen- und Arbeitsarmut widersprechen demnach nicht dem Grundgesetz, während das Vermögen von Milliardären geschützt ist. Auf dieser Basis operiert der Kapitalismus, der durch die Möglichkeit, auf verliehenes Geld Zinsen zu verlangen, die Umverteilung von Vermögen von Arm nach Reich beschleunigt. Denn die Zinsen der Einen sind die Schulden der Anderen. Gewinne aus Zinsen können nur durch ein konstantes Wirtschaftswachstum, Schulden oder Enteignung befriedigt werden. In einer Gesellschaft mit gleichbleibender Bevölkerung ist ein Wachstum nur durch Rationalisierung, Automatisierung und Lohnzurückhaltung möglich. Genau diese Entwicklung können wir in den Industriestaaten in den letzten 40 Jahren feststellen: steigende Arbeitsarmut bei steigender Produktivität. Doch mit der exponentiell wachsenden Gewinnerwartung aus Zinseszinsen, dem Geschäft der Finanzindustrie, kann auf Dauer kein Wirtschaftswachstum mithalten. Die längst überfällige Implosion der Blase der Finanzindustrie wird derzeit nur durch die Globalisierung und die weltweite, beinahe exponentielle Steigerung der Staatsschulden kompensiert. Seit der Finanzkrise 2008 ist die Anzahl der Dollarmilliardäre weltweit von ca. 1.000 auf ca. 2.200 gewachsen, während im gleichen Zeitraum die Staatsschulden weltweit um ca. ein Viertel gestiegen sind.

Angesichts dieser Zahlen und dem Automatisierungspotential, welches noch in der Entwicklung der Informationstechnologie steckt und das zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen wird, stehen uns in den Industrieländern immense soziale und innenpolitische Konflikte bevor. Wenn man ehrlich ist, dann befinden wir uns schon mittendrin.

Zu 2.) Das Ziel der Außenpolitik eines Imperiums, wie die USA eines sind, war und ist immer die Dominanz der Welt. Da sich die Vereinigten Staaten nicht auf dem ressourcen- und bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde befinden, bestand und besteht ihr geostrategisches Ziel darin, eine Supermacht auf dem eurasischen Kontinent zu verhindern. Die Containment-Politik der USA nach dem Zweiten Weltkrieg, also die Eindämmung der Einflussgebiete der Sowjetunion bzw. Russlands und Chinas mit ihren Stellvertreterkriegen in Korea, Vietnam, Kambodscha, Serbien, Afghanistan, Irak, Ukraine und Syrien sind Zeugnis dieser Strategie. Die ideologische Grundlage für die offenen und verdeckten Kriege der USA und ihrer Alliierten war zunächst der Kampf gegen den angeblich gefährlichen, expansionistischen und menschenverachtenden Kommunismus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung Russlands und Chinas für den Kapitalismus löste der Krieg gegen den Terror die ideologische Begründung für die völkerrechtswidrigen Angriffskriege der USA und ihrer Alliierten mit bis zu 30 Millionen zivilen Opfern seit dem Zweiten Weltkrieg ab.

Ich würde gerne über die Expansion der Menschheit ins Weltall, Erleichterungen im Alltag durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Errungenschaften sowie utopische politische Verhältnissen auf der Erde schreiben. Leider gibt meine Analyse eine derartig positive Entwicklung nicht her. Die Menschheit steht derzeit am Abgrund. Dieser befindet sich durch das exponentielle, also beschleunigte Wachstum von dem Reichtum Weniger und die im gleichen Maße ansteigenden Schulden der großen Masse der Menschen weit näher, als wir denken. Der Grund dafür liegt in unserer Kultur, welche stetiges und durch den Kapitalismus sogar exponentielles Wachstum benötigt, um nicht zu kollabieren. Dem gegenüber steht eine endliche Welt, mit endlichem Raum, endlichen Ressourcen und begrenztem Wachstumspotential. Um diesen Raum und diese Ressourcen tobt eine erbitterte, andauernde militärische Auseinandersetzung, welche seit dem Zweiten Weltkrieg größtenteils von den USA und ihren Alliierten ausgelöst und dominiert wird. Ein Rückgang dieser Entwicklung ist nicht zu erwarten. Derzeit steigen die Ausgaben für Rüstung weltweit. Gepaart mit dem Hunger der Eliten der Welt nach exponentiellen Wachstum ihrer Vermögen ist kein Ende der Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, keine Abrüstung und kein Ende des Klimawandels in Sicht, und die Gefahr eines weltweiten Nuklearkriegs steigt weiter an.

Über kurz oder lang werden wir jedoch unsere Kultur auf ein ausgeglichenes Verhältnis mit den gegebenen natürlichen Ressourcen anpassen müssen. Die Frage ist nur, ob dies per Design oder Desaster passiert. Die derzeitige Entwicklung und die zugehörigen Fakten geben keinen Anlass, auf Ersteres zu wetten.

In meiner fiktionalen Geschichte beschreibe ich, wie mein Protagonist, der junge Bauingenieur Chris, sich diese Kenntnisse mit Unterstützung seines neuen Freundes Immanuel aneignet. Dieser Prozess verläuft in seinem etablierten Freundeskreis nicht konfliktfrei, da das Selbstverständnis der westlichen Wertegemeinschaft, welches durch die Leitmedien gezeichnet wird, diesen Erkenntnissen diametral entgegensteht. Schon bald wird er sowohl von seinen Freunden als auch von seiner Lebensgefährtin als verwirrter Verschwörungstheoretiker angesehen, während er die Manipulation und die Propaganda hinter der westlichen Politik und den zugehörigen Leitmedien erkennt.
In die verschiedenen Dialoge der Geschichte sind meine persönlichen Erfahrungen in meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis während der Zeit der Recherche und der Umsetzung des Buches eingeflossen. Aus meiner Sicht teilt sich unsere Gesellschaft in vier Typen:

  • Die Totalleugner: Sie informieren sich über die Vorgänge in der Welt ausschließlich über ihre Filterblase, die Leitmedien, deren gleichgeschaltete Berichterstattung sie als Bestätigung für die Wahrhaftigkeit der übermittelten Informationen sehen. Sie leugnen pauschal jede Kritik oder abweichende Sichtweise daran und ächten Kritiker als verwirrte Verschwörungstheoretiker. Ihre Lieblingssendungen sind die „heute-show“ und „Extra 3“, wenn sie überhaupt öffentlich-rechtliche Medien konsumieren. Sie stellen die zahlenmäßig größte Gruppe dar (persönliche Erfahrung: ca. 80 %).
  • Die Halbleugner: Sie informieren sich über die Leitmedien, lesen jedoch auch kritische Literatur und beschäftigen sich mit alternativen Medien. Sie schauen sich politische Satire an (Volker Pispers oder „Die Anstalt“) und ahnen, dass die Welt nicht so ist, wie sie von den Leitmedien dargestellt wird, wollen die Wahrheit jedoch nicht wissen. Denn die Wahrheit ist so ungeheuerlich, dass sie ihr positives Bild der westlichen Wertegemeinschaft grundsätzlich in Frage stellen müssten. Sie stellen eine Minderheit dar (persönliche Erfahrung: ca. 20 %).
  • Die Kritiker: Sie besitzen keinen Fernseher mehr oder nutzen das Medium nur gezielt (z.B. für Sportsendungen), lesen kritische Literatur, stellen aufgrund der frei verfügbaren Fakten eigene Recherchen und Überlegungen an und vergleichen die Berichterstattung der Leitmedien mit derjenigen der alternativen, kritischen Medien. Aufgrund der Gefahr der sozialen Ächtung durch die Totalleugner geben sie ihre Meinung in der Öffentlichkeit nur selten preis. Sie stellen eine absolute Minderheit dar (persönliche Erfahrung: zwei Personen im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis).
  • Die Aluhutträger: Sie verlassen sich mehr auf Hörensagen als auf Nachrichten und verwechseln – ähnlich wie die Totalleugner – Erkenntnis mit Bekenntnis. Sie benötigen keine Fakten, um ihr Weltbild zu konstruieren, und stellen ihre Wahrheit über diejenige Anderer. Anzeichen für Aluhutträger sind Verfolgungswahn, UFO-Sichtungen oder Glaube an Chemtrails. Totalleugner und Halbleugner sehen Kritiker gerne als Aluhutträger an. Das macht es ihnen leichter, sich nicht mit den Fakten der Kritiker beschäftigen zu müssen. Die Aluhutträger stellen auch eine absolute Minderheit dar (persönliche Erfahrung: zwei Personen im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis).

Mein Protagonist Chris, der sich von den Leitmedien abwendet und sich über Fakten und kritische Quellen eine persönliche Meinung bildet, empört sich über die Propaganda und die Manipulation des Mainstreams sowie über die Haltung seiner Freunde, die er noch wenige Monate zuvor geteilt hat. Über Immanuel lernt er jedoch neue Freunde kennen, mit der er auf Augenhöhe kommunizieren kann. Gemeinsam mit diesen versucht er, seine Umwelt wachzurütteln und die Propaganda der Leitmedien zu entlarven.

Um mich in die Situation meiner Charaktere einzudenken, führe ich seit einem halben Jahr selbst einen Blog unter www.goodnews-badnews.org, der die Manipulation der Leitmedien anhand konkreter Beispiele aufdeckt. Was Propaganda in unserer heutigen Welt bedeutet und woran man sie erkennen kann, habe ich weiter unten unter dem Absatz „Die Gedanken sind frei… Wirklich?“ zusammengefasst.

Es wäre naiv zu glauben, dass die etablierten Eliten in Deutschland und der westlichen Wertegemeinschaft, welche von dem bestehenden politischen und wirtschaftlichen System profitieren und über einen immensen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und die Politik verfügen, sich von ein paar Alternativmedien im Internet auf Basis von Crowd-Funding die Butter vom Brot nehmen lassen würden. An der Verabschiedung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes kann man erkennen, wie die alternative Meinungsbildung in sozialen Netzwerken mit privatisierter Zensur unter dem Deckmantel der Hate Speech-Bekämpfung eingegrenzt werden soll.

Daher fällt das Engagement meiner Protagonisten auch einer Erweiterung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes zum Opfer, und sie müssen als politische Flüchtlinge Deutschland verlassen und sich auf die Suche nach einem Staat machen, der sie aufnimmt und nicht ausliefert.

Mir ist bewusst, dass ich mit dem Thema meines Buches nicht die Erwartungen des Mainstreams bediene. Der Ausgang meiner Arbeit hat sich zudem im Laufe der Recherche verändert. So bin ich an das Thema Verschwörungstheorien rund um 9/11 mit der Zielsetzung herangegangen, den bedenklichen mentalen Zustand meines Protagonisten darzustellen. Ich war überrascht, auf zwei ehrenamtliche Netzwerke von Luftfahrt- und Architekturexperten mit jeweils mehreren tausend Mitgliedern zu stoßen, die sich ernsthaft und wissenschaftlich mit den Ereignissen rund um die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York und Washington beschäftigen. Geschockt war ich, als ich feststellen musste, dass diese Experten handfeste Beweise herausgearbeitet haben, die zeigen, dass der offizielle Bericht der US-Regierung zu diesen Anschlägen nicht nur grobe Mängel, sondern auch bewusste Fälschungen aufweist. 9/11 ist der Dreh- und Angelpunkt des Krieges gegen den Terror. Sollte sich der Verdacht, den diese Beweise nahelegen, bestätigen, dass die US-Regierung sowie der Deep State der Vereinigten Staaten an diesem Anschlag beteiligt waren, um vor der amerikanischen Bevölkerung lange im Voraus geplante Steigerungen der Rüstungsausgaben und Angriffskriege auf Afghanistan und den Irak zu rechtfertigen, dann ist unsere Welt und unser westliches Selbstverständnis ganz schön im Arsch.

Ich sehe das Schriftstellertum als Tür zur Wahrhaftigkeit an. Ich gehe daher das Risiko ein, von meiner Umwelt als verwirrter Verschwörungstheoretiker wahrgenommen zu werden, wenn ich auch nur einen einzigen weiteren Menschen davon überzeugen kann, sich von der Propaganda der Leitmedien abzuwenden und sich auf Basis der Fakten eine eigene Meinung zu bilden.

Die Gedanken sind frei… Wirklich?

Bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben Psychologen und Soziologen die Grundlagen und Methoden der Propaganda für die erfolgreiche Steuerung der Massen herausgearbeitet. Der österreichisch-stämmige Amerikaner Edward Bernays hat in seinem 1928 erstmalig erschienenem Buch „Propaganda“ den Grundstein für die Disziplin „Public Relations“ gelegt. Wer in modernen Gesellschaften als Politiker, Partei oder Unternehmen erfolgreich sein will, der muss die öffentliche Meinung auf seiner Seite haben. Folglich sind diejenige Politik und dasjenige Unternehmen besonders erfolgreich, welche die öffentliche Meinung am besten beeinflussen können. Bernays unterstützte die amerikanische Regierung dabei, Zustimmung in der Öffentlichkeit für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu erlangen, und war nach dem Zweiten Weltkrieg im Auftrag der American Tabacco Company dafür verantwortlich, dass Frauen zur Zielgruppe der Zigarettenindustrie wurden. Joseph Goebbels hat seine Veröffentlichungen benutzt, um die antijüdische Propaganda im Dritten Reich aufzubauen.

Während Bernays den Beruf des Public Relation-Beraters noch einem ethischen Kodex unterworfen sah, ähnlich dem Beruf des Mediziners oder Anwalts, hielt der deutschstämmige amerikanische Journalist, Schriftsteller und Medienkritiker Walter Lippmann Propaganda für ein adäquates Mittel der Politik, um die Masse der Menschen, die er als „verwirrte Herde“ bezeichnete, zu steuern. Journalisten sah er als „Gatekeeper“, die entscheiden, welche Informationen der Öffentlichkeit vorenthalten und welche weiterbefördert werden sollten.

Dass die fast 100 Jahre alten, grundlegenden Arbeiten zu Public Relations dieser Herren ähnlich wie die geostrategischen Ziele der Vereinigten Staaten heute einer überwältigenden Mehrheit der Menschen unbekannt sind, muss als größter Erfolg der Propaganda gewertet werden. Wer heute als Otto-Normalbürger die Tagesschau einschaltet oder die Tageszeitung aufschlägt, denkt in der Regel bei den dort übermittelten Informationen nicht an Propaganda. Im Gegenteil, Menschen, die auf die Manipulation durch die Leitmedien hinweisen, werden – gemäß der Propaganda – als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Dieser bedingungslose Glaube an die Leitmedien als unabhängige vierte Macht im Staat zieht sich durch alle Gesellschafts- und Bildungsschichten. Doch was ist Propaganda in unserer heutigen Zeit? Hier einige Beispiele.

Propaganda ist,

  • wenn 70 Prozent der amerikanischen Soldaten, die 2003 in den Krieg gegen den Irak gezogen sind, geglaubt haben, dass Saddam Hussein mitverantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington war,
  • wenn kaum jemand weiß, dass an jenem Tag, der die Welt veränderte und den die Amerikaner 9/11 nennen, ein drittes 47-stöckiges Hochhaus eingestürzt ist, obwohl es nicht direkt von einem Flugzeug getroffen wurde,
  • wenn Menschen, die noch nicht einmal wussten, dass ein drittes Gebäude an jenem Tag eingestürzt ist, eine Gruppe von über 2.000 Architekten, Bauingenieuren und Physikern (Architects & Engineers for 9/11 Truth) automatisch als verwirrte Verschwörungstheoretiker abstempeln, wenn sie davon erfahren, dass diese Experten die Behauptung der US-Regierung anzweifeln, Feuer sei der Grund für den symmetrischen Kollaps im freien Fall dieses Hochhauses gewesen,
  • wenn die Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt ist, dass der Kreml westliche Politik und Wahlen entscheidend beeinflusst, obwohl es dafür keinen einzigen handfesten Beweis gibt,
  • wenn man glaubt, dass Russland sich derzeit außenpolitisch aggressiv verhält, obwohl die NATO immer weiter Richtung Osten vorrückt und die USA und ihre Alliierten Verbündete Russlands völkerrechtlich illegitim angreifen,
  • wenn die Mehrheit der Deutschen glaubt, sie seien die Guten, obwohl ihr Land Seite an Seite mit den USA Kriegsverbrechen begeht und von deutschem Boden aus über die größte Militärbasis der USA im Ausland in Ramstein die Kriege gegen Afghanistan, den Irak, Libyen und Syrien sowie der Drohnenkrieg im Nahen und Mittleren Osten organisiert werden,
  • wenn islamistisch motivierter Terrorismus in Nordamerika und Westeuropa, der hauptsächlich von Bürgern dieser Länder ausgeht und der nach 9/11 keine 1.000 Menschenleben gefordert hat, als Grund angesehen wird, völkerrechtlich illegitime Angriffskriege mit weit mehr als einer Millionen ziviler Todesopfer in muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie in Nordafrika durchzuführen.

Wahre Macht wird durch die öffentliche Meinung legitimiert. Wer die öffentliche Meinung beherrscht, beherrscht auch die Welt.

Häuser bauen mit Matsch und Zement

Der Traum von den eigenen vier Wänden – wer hat ihn nicht? Doch das Ganze mit dem Material, das man auf dem Grundstück vorfinden, und auch noch mit bloßen Händen? Zumindest in Brasilien geht das, wo Bauvorschriften minimal bis gar nicht vorhanden sind.

Um zu lernen, wie man nachhaltig baut, haben wir einen viertägigen Kurs in Biokonstruktion des Institutes für Permakultur belegt. Der Begriff Permakultur kommt eigentlich aus der Landwirtschaft und beschreibt landwirtschaftlich produktive Ökosysteme, welche die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Mit dem Ziel, selbstregulierende, permanente Systeme zu schaffen, die höchstens minimaler Eingriffe bedürfen, setzt die Permakultur einen Gegenpol zur industrialisierten Landwirtschaft. Im erweiterten Sinne bezieht sie auch das Zusammenleben von Menschen sowie die Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung ein.

In dem Kurs haben wir gelernt, wie man Wände aus Erde, Lehm und Stroh errichtet, wie man Superadobes (mit Erde verfüllte Säcke) verwendet, um Fundamente und Wände zu bauen, wie man Stahlbetondächer mit der Hand fertigt und wie man Sickergruben für Abwasser und Fäkalien konstruiert. An dem Kurs teilgenommen haben auch zwei Indigene aus dem Bundesstaat Tocatins. Das Verrückte in Brasilien ist, dass hier Indigene exotischer sind als Deutsche. Im Gegensatz zu den Andenländern, in denen im Hochland Menschen mit indigener Abstammung in der Überzahl sind, leben sie in Brasilien fast ausschließlich in Reservaten und sind daher im normalen Straßenbild nicht vorhanden. Für mich war es die erste Begegnung mit Indigenen in Brasilien, jedoch nicht die letzte. Wir wurden für August zu einem einwöchigen Fest des Indigenendorfes in Tocatins eingeladen, das etwas 1.200 Kilometer von Brasília entfernt liegt. Die nächste Reise steht also fest.

Schwere Regierungskrise in Brasilien

Nachdem nun auch gegen den De-facto-Präsidenten Michel Temer handfeste Beweise vorliegen, dass er der Bestechung des im Gefängnis sitzenden ehemaligen Präsidenten des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, zugestimmt habe, ermittelt der Oberste Gerichtshof Brasiliens gegen ihn wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Behinderung der Justiz und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Näheres siehe hier: https://amerika21.de/2017/05/176629/brasilien-temer-neuwahl-protes.

Michel Temer ist im Volk wegen seiner tiefen Eingriffe in den Sozialstaat im Rahmen seines „Programmes zur Rettung der Wirtschaft“ im Volk extrem unbeliebt. Zuletzt lagen seine Zustimmungswerte in Umfragen bei 9 Prozent.

Heute fanden die bislang größten Demonstrationen gegen den Präsidenten in der Hauptstadt Brasília statt. Bilder dazu befinden sich hier. Gegen die Demonstranten wurde mittlerweile auch das Militär eingesetzt.

Ein wenig beängstigend ist, dass sich Temer der Unterstützung der Militärführung versichert hat. Wird aus dem kalten Putsch des vergangenen Jahres, wie viele Kritiker die Amtsenthebung von Dilma Rousseff nennen, nun ein heißer?

 

Rundreise durch die Chapada dos Veiadeiros und Terra Ronca

Nach den Reisen in den Nordosten Brasiliens, nach Bolivien und ins Pantanal in 2015 und 2016, die eher Rallyes durch Südamerika glichen, haben Sylvia und ich die Vorzüge von Reisen mit kurzen Entfernungen in vergleichsweise vielen Tagen entdeckt. Brasilien und Südamerika sind einfach so unglaublich groß, dass man leicht die Größenverhältnisse unterschätzt.

Unter anderem besuchten wir den wohl schönsten Wasserfall der Chapada dos Veiadeiros, welche sich ca. 300 km nördlich von Brasília befindet. Der Chachoeira Santa Barbara liegt in einem Schutzgebiet, das man nur mit Führer betreten darf. Die Fotos, die wir gemacht haben, spiegeln in keiner Weise die Schönheit der Gegend wieder.

Danach fuhren wir in das Schutzgebiet Terra Ronca, welches sich in der Nähe der Grenze zwischen Goiás und Bahia befindet und mit riesigen Felshöhlen aufwartet. Unterwegs und im Schutzgebiet ging es über viele Erdstraßen, welche den Einsatz unseres Offroad-Fahrzeugs zumindest ein wenig rechtfertigten.

Am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass es zuhause in Brasília noch immer am schönsten ist. Die Hitze, die vielen Insekten und die drückende Feuchtigkeit machen den Cerrado nicht unbedingt zum primären Ziel von Campern wie wir.

Wenn man nicht zum Franz gehen kann, muss man selber den Franz machen

Jaja, ich weiß. Eigentlich wollte ich die letzten drei Monate eine ausgedehnte Reise nach Patagonien machen. Der Prozess der Visumsverlängerung für Sylvias und meinen Aufenthalt in Brasilien dauerte jedoch bis Weihnachten. Gleichzeitig kamen wir auf die Idee, innerhalb des Condomínios umzuziehen in ein günstigeres und schöneres Haus, was wir dann auch in der ersten Januarwoche gemacht haben. Und jetzt ist es zu spät, da Patagonien nur im Sommer Sinn macht, wenn man dort campen will.

Stattdessen habe ich weiter an meinem zweiten Buch gearbeitet und – tata – eine Bar eröffnet. Die „Bar do Alemão da Boa Vista do Domingo dos Jogos de Água“, heißt übersetzt soviel wie die „Bar des Deutschen, der guten Aussicht, des Sonntags und der Wasserspiele“. Gestern war Eröffnung dieser sonntäglichen Veranstaltung in unserem neuen Haus. Wir zelebrierten die Synthese aus deutscher Kneipenkultur und den Vorzügen des brasilianischen Klimas zusammen mit Nachbarn und Freunden.

Abschlussprüfung und Siegerehrung

Am letzten Tag wurden wir von Vermelhinho zurück nach Novo Airão gebracht, von wo aus wir mit dem Taxi in zwei Stunden nach Manaus fuhren. Abends aßen wir schlechte Pizza auf dem zentralen Platz vor dem berühmten Teatro Amazonas, das wir am nächsten Tag ausgiebig fotografierten, bevor wir ins Flugzeug nach Brasília stiegen.

Nun stand die Frage an, wer die Prüfung gewonnen hatte. Wer von uns war am besten mit den Bedingungen, der Hitze, der Sonne, dem Essen klargekommen? Das war das Kriterium, welches durch die unabhängige Jury, bestehend aus mir, für die Entscheidung zugrunde gelegt wurde.

Die Fairness der Jury kann man bereits daran erkennen, dass Kriterien wie: Wer konnte am längsten Unterwasser Luft anhalten? Wer war der körperlich Größte? Oder wer hatte einen E-Book-Reader dabei? nicht in die Kriterien aufgenommen wurden.

caboclo-bruder-nazareEva und ich belegten den vorletzten und letzten Platz, da wir uns beide bei dem Kollegen Nazaré mit einer fiesen Grippe angesteckt hatten und jeweils für eine Woche in Brasília das Bett hüten mussten. Dabei gehörte der letzte Platz mir, da bei mir die Krankheit sogar mit fast 39 Grad Fieber verlief.

 

Peter belegte den zweiten Platz, da er gegenüber der Siegerin deutlich mehr mit der heftigen Sonneneinstrahlung zu kämpfen hatte. Somit stand die Siegerin unserer Dschungelprüfung fest. Sylvia ist nicht nur blendend mit den äußeren Widrigkeiten klar gekommen. Sie hat die gesamte Reise auch im Vorfeld professionell organisiert und ist in Stresssituationen immer ruhig und überlegt geblieben. Glückwunsch!

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Bei Vermelhinho zuhaus

Am Morgen des vorletzten Tages unseres Dschungelaufenthalts traten wir den Rückweg in Richtung Zivilisation an. Vorbei ging es an uns mittlerweile bekannten Landschaften, die zur Feier des Tages auch mit dem ein oder anderen fotogenen Tier aufwarteten.

Am Ausgang des Nationalparkes Jaú kamen wir bei den Parkhütern vorbei. Peter schaffte es, einen von ihnen beim Mittagsschlaf abzulichten.

Kurz vor der Abenddämmerung erreichten wir Vermelhinhos Haus, das in der Niedrigwasserzeit ein paar Hundert Meter vom Ufer entfernt mitten im Wald lag. Im Gegensatz zu den beiden Brüdern im Nationalpark, deren Aufenthalt nur toleriert ist, hat Vermelhinho sein Grundstück über das brasilienweite Programm Terra Legal erhalten. Er musste nichts dafür bezahlen, muss es aber bewirtschaften und darf es nicht weiterverkaufen, nur vererben. Damit stellt der Staat sicher, dass mit dem Boden nicht spekuliert wird und die Menschen sich nicht illegal Ländereien aneignen. Da er im Gegensatz zu den tolerierten Caboclos im Nationalpark auf seinem Grundstück bauen und anbauen darf, wie er will, war es auch ein wenig fortschrittlicher ausgestattet. Sogar die elektrische Versorgung steht kurz bevor.

Boa noite e durma bem.

Foto-Safari II

Ein typischer Alltag während der Dschungelprüfung: Aufstehen, Frühstück (Früchte, Brot und Fisch), Fertigmachen zur Abfahrt. Mit dem Kleinboot inklusive Moped-Außenborder über Stromschnellen einen kleinen Nebenfluss hinauf. Waldwanderung mit Adlersichtung.

caboclo-bruder-nazare

Unser Führer an diesem Tag war Nazaré, einer der Caboclo-Brüder, dessen Bild man sich merken sollte. Er sollte indirekt entscheidend zum Ausgang der gesamten Dschungelprüfung beitragen.

Er führte uns über einen ehemaligen Waldarbeiterpfad. Ehemalig, da das Gebiet heute zum Nationalpark Jaú gehört. Nazaré und sein Bruder Ari leben noch in dem Park, was keine Selbstverständlichkeit ist. Ihre Anwesenheit wird toleriert, sie müssen sich jedoch strengen Auflagen unterwerfen.

 

Unter anderem führte er uns an eine Stelle, wo früher Kautschuk gewonnen wurde.

Die Rinde des Kautschukbaums wird in der Früh an einer Stelle leicht verletzt und das Kautschuk über den Tag mit einem Eimer aufgefangen. Am Ende des Tages kann man es dann ernten.

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Mitten im Wald, ca. 130 km bzw. eine Tagesreise von dem nächsten Ort, Novo Airão, entfernt stießen wir auf dieses Grab. Beerdigt liegt hier ein Waldarbeiter, der es auf Grund einer Verletzung oder einer Krankheit nicht geschafft hat, einen Arzt zu erreichen.

 

 

 

 

Die Wanderung dauerte den Vormittag. Mittags ging es zurück zum Haus von Ari und Nazaré, wo wir übernachtet hatten. Nach dem Mittagessen (Fisch, Reis und Bohnen) ging es erneut los mit Vermelhinhos Schnellboot, diesmal, um auf den den Nebenarmen des Rio Jaú nach Tieren Ausschau zu halten.

Wo sind die Tiere, fragt man sich natürlich. Wie bereits erwähnt, machen sie sich am Amazonas und Rio Negro sehr rar. In der Dunkelheit haben wir dann doch einige Kaimane aufstöbern können. Zum Fotografieren war es dann jedoch schon zu dunkel. Doch die bizarre, von dem großen Unterschied der Wasserstände geformte Landschaft und Vegetation hatte auch seinen eigenen, morbiden Reiz.

Im Dunkeln ging es dann zurück zum Abendessen (Fisch, Reis und Bohnen).

Bis morgen.

Foto-Safari I

Wie steht es so schön in Sylvias Reiseführer? Das Pantanal ist so, wie man sich den Amazonas vorstellt. Während man im Pantanal an jeder Ecke über Alligatoren und Riesenmeerschweinchen stolpert sowie riesige Fischreiher regelmäßig durch das Bild fliegen, macht sich die Tierwelt am Amazonas recht rar. Ich bin ja eh der Meinung, dass man in den Dokumentationen von David Attenborough die Tiere viel besser beobachten kann, als in einer direkten Begegnung, die häufig eher zufällig und kurz verläuft.

Trotzdem ist der Amazonas-Regenwald sehr beeindruckend. Da ist zunächst einmal seine schiere Größe: Der Regenwald liegt zu 60 Prozent auf dem Gebiet Brasiliens und umfasst die Hälfte des brasilianischen Territoriums. Er macht die Hälfte des auf der Erde verbliebenen Tropenwaldes aus. Die Fläche des Amazonasbeckens beträgt knapp 7 Millionen Quadratkilometer, stellt damit knapp 39 Prozent der Fläche Südamerikas und ist fast 20 mal größer als Deutschland. Läge das Gebiet in Europa, nähme es 70 Prozent der gesamten Fläche des Kontinents ein. Da kann man sich schnell verlaufen.

Hauptverkehrswege sind die Flüsse. Das versteht man erst, wenn man die immense Differenz zwischen Hoch- und Niedrigwasser bewusst wahrgenommen hat, die am Rio Negro bis zu 19 Meter beträgt. Zwar gibt es in Amazonien keine richtige Trockenzeit – sonst hieße das Gebiet ja auch nicht Regenwald, doch es gibt Zeiten mit mehr und weniger regelmäßigen Regen. Auf unseren Fotos kann man immer wieder gut erkennen, dass die Häuser der Flussbewohner auf Anhöhen liegen. Das liegt daran, dass wir bei Niedrigwasser dort waren. Während des Hochwassers liegen sie direkt am Ufer. Das bedeutet, dass fast die gesamte Landschaft, die man auf den folgenden Bildern sehen kann, in den Zeiten hohen Wasserstandes verschwunden ist.

Eine unserer Haltestellen war ein verlassenes Dorf, Velho Airão, von dem es heißt, dass die Ameisen die Einwohner gefressen hätten.

Fortsetzung folgt…

Intermezzo: Meine Hängematte

Die Brasilianer sagen: Spätestens nach der dritten schlaflosen Nacht in der Hängematte schläfst du super!

Unsere erste Nacht in der Hängematte verbrachten wir auf dem Schiff von Manaus nach Novo Airão, dicht gepackt mit anderen Fahrgästen. Natürlich verlief die Nacht für mich größtenteils schlaflos. Ich vertrieb mir die Zeit mit allerlei Gedanken, z.B. welche Stellungen beim Geschlechtsakt in einer Hängematte möglich sind. Nach kurzer Bemühung meiner Phantasie kam ich zu dem Schluss, dass man möglichst jede Form des Koitus gemeinsam in der Matte vermeiden sollte, will man ohne Absturz und Blessuren davonkommen. Den Rest der Nacht vertrieb ich mir mit Gedanken an ein ruhiges und sauberes Hotelzimmer mit Klimaanlage und Minibar.

Doch bereits die zweite Nacht unter freiem Himmel konnte ich prima durchschlafen, wozu auch das eingebaute Moskitonetz unserer Reisehängematten beitrug.

Fazit: Als Alternative zum Schlafen auf der Luftmatratze bietet die Hängematte einige Vorteile: Schutz vor krabbelnden und fliegenden Tieren aller Art, keine Bodenkälte und geringes Transportgewicht. Auf freiem Feld ohne Bäume ist man natürlich vollkommen aufgeschmissen, und zur Fortpflanzung ist sie gänzlich ungeeignet.