Parque Estadual do Jalapão

Auf dem Rückweg vom Indianerreservat nehmen Sylvia und ich sowie unsere Gäste Rike und Lauran einen kleinen Umweg über den spektakulären Parque Estadual do Jalapão, den man nur mit einem Allradfahrzeug besuchen kann. Knapp 170 Kilometer geht es auf der TO-255 von Ponte Alta do Tocantins Richtung Osten nach Mateiros über eine buckelige Erdstraße mit teils tiefen sandigen Stellen.

Es ist schon dunkel, als wir Ponte Alta do Tocantins verlassen. Das Gebiet zwischen den beiden Orten ist äußerst dünn besiedelt. Die Querrippen auf der Erdstraße rütteln den Wagen durch und lassen das Licht der Zusatzscheinwerfer vor uns tanzen. Wir sind die Einzigen auf der Straße und suchen einen Platz zum Übernachten. Am späten Morgen sind wir im Reservat aufgebrochen und haben 500 Kilometer Strecke hinter uns gebracht. In Brasilien ist ein Schnitt von über 50 km/h kaum zu schaffen, so dass wir bereits zehn Stunden im Auto sitzen.

Wir kommen an einem Haus vorbei, in dem noch Licht brennt. Sylvia und ich steigen aus und erfahren von den Bewohnern, dass sich keine drei Kilometer entfernt ein schöner Standplatz an einem Wasserfall befindet. Wir biegen an der beschriebenen Stelle von der Straße und folgen einem schmalen Sandweg weitere 1,5 Kilometer. Am Ende angekommen treffen wir auf einen deutsches Pärchen aus München mit einem Land Cruiser mit Aufstelldach – die ersten deutschen Weltreisenden, auf die wir nach zweieinhalb Jahren in Südamerika treffen! Sie sind wahrscheinlich genauso verdattert wie wir, in dieser Einöde Landsleuten zu begegnen. Wir unterhalten uns kurz mit ihnen und machen uns auch bettfertig.

Am nächsten Morgen verlassen uns Tina und Uwe aus München wieder, nicht ohne vorher Adressen und Telefonnummern ausgetauscht zu haben. Man läuft sich ja immer zweimal über den Weg. Wir hingegen bleiben noch einen Tag und basteln uns einen Schattenplatz.

Nach einem Ruhetag brechen wir wieder auf und fahren die TO-255 weiter Richtung Osten. Auch bei Tageslicht treffen wir auf keine Menschenseele.

Gegen Mittag landen wir am Chachoeira Velha am Rio Novo, wo wir auch die Nacht verbringen.

Am Folgetag brechen wir nach dem Frühstück auf, um uns wieder einige Kilometer auf der menschenleeren und teilweise nur sehr langsam zu befahrenden Landstraße fortzubewegen. Wir folgen einem Wegweiser, auf dem „Survivor Camping“ steht, und biegen auf eine Sandstraße, die nach zehn Kilometern am Rio Novo endet.

Der Campingplatz am Rio Novo wird von einem frustrierten älteren Pärchen geleitet, das es 15 Jahre zuvor hierher verschlagen hat und das sich von seinem Unterfangen einen deutlich höheren wirtschaftlichen Erfolg versprochen hat. Highlight des Platzes ist ein nur zehn Minuten Fußweg entfernter Strand am Rio Novo.

Am letzten Tag der Parkdurchquerung kommen wir an der Hauptattraktion der Gegend an: den Dünen von Jalapão. Wir schmuggeln den Hund im Auto am bewachten Eingang vorbei und brutzeln in der Spätnachmittagssonne in einer wüstenähnlichen Gegend vor uns hin.

Die Nacht verbringen wir ein paar Kilometer weiter auf einem Wanderparkplatz, von dem aus ein Pfad auf das dahinterliegende Hochplateau führt. Am nächsten Morgen steigen wir die 200 Höhenmeter auf, genießen kurz den Ausblick und machen uns dann auf den Heimweg Richtung Brasília.

Der Abschied von dieser optisch wunderschönen Gegend fällt uns erstaunlich leicht, denn was man auf den Bildern weder erkennen noch nachvollziehen kann, sind die unglaubliche Hitze und die unzähligen Mücken, die uns den ganzen Weg über malträtiert haben.

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