Plastikpalmen und Parasiten

Nein, dieser Cerrado. Da gehe ich jeden Tag zweimal durch die Büsche und Sträucher und entdecke doch immer wieder Neues.

Als erstes präsentiere ich eine Parasitenpflanze, die einfach auf einem Baum andockt. Wenn man nicht genau hinsieht, erkennt man gar nicht, dass es sich auf diesen Bildern um zwei Pflanzen handelt:

Parasitenpflanze01Parsitenpflanze02

Dann haben wir noch einen seltenen Strauch, der an eine Glasfaserlampe erinnert:

Sylvesterraketenpflanze

Diese edle Raupe:

Caterpilar

Und zu guter Letzt noch eine Pflanze, die so tut, als sei sie aus Plastik:

Sonderbare Reaktion auf lokale Delikatessen

Ich sitze zusammen mit Fabio in einem Straßenrestaurant zum Mittagessen. Fabio hat mir dabei geholfen, eine Werkstatt für meinen Wagen zu finden und die notwendigen Reparaturen mit der Werkstatt abzusprechen.

Der Wirt bringt das Essen. Für mich gibt es vegetarische Beilagen: Reis, Bohnen, Möhren, Maniok. Das Gericht schmeckt intensiv nach brasilianischem Rind. Die Rinder sehen hier nicht nur durchweg anders aus als in Europa, sie riechen und schmecken auch anders. Selbst Milchprodukte haben diesen intensiven, leicht säuerlichen Geschmack, den ich nur schwer beschreiben kann. Bisher konnte ich mich damit nicht richtig anfreunden. Die Vorstellung, ein komplettes Glas Milch zu trinken, hat meinen Appetit bisher noch nicht zu Freudensprüngen verleitet.

Über den eigenwilligen Geschmack Brasiliens sinnierend esse ich weiter. Der Wirt bringt eine kleine Plastikflasche mit einer dicken, gelben Flüssigkeit. Fabio kippt davon reichlich über sein Essen. Da der Reis etwas trocken ist, mache ich es ihm nach. Dazu gibt es ein sehr süßes, kohlensäurehaltiges Getränk.

Der Wirt kommt an unseren Tisch und startet einen Smalltalk mit Fabio. Plötzlich beginnt mein Mageneingang schmerzhaft zu brennen. Irgendetwas erzeugt in meinem Magen einen immensen Druck. Ich versuche mit einem Schluck von der Limonade zu kontern, was jedoch den gegenteiligen Effekt erzeugt. Noch gerade rechtzeitig kann ich den Tisch verlassen. Hinter einem LKW spucke ich glibbrige, durchsichtig-schaumige Magenflüssigkeit aus. Abwechselnd kommen der Wirt und Fabio zu mir, um nach den Rechten zu fragen. Doch ich wiegele ab, brauche nur Zeit, damit der Schmerz vergeht.

Der LKW fährt weg, und damit verliere ich meine Deckung vor den anderen Gästen im Restaurant. Ich verziehe mich auf die Toilette und spucke noch 15 Minuten weiter. Das Essen selbst bleibt im Magen, nur die Magenflüssigkeit will raus. Dann endlich beruhigt sich mein Verdauungsapparat. Ich gehe zurück und entschuldige mich beim Wirt. Schnell hat man die Buttersauce, die gelbe Flüssigkeit in der Flasche, als Ursache identifiziert. Wir zahlen und gehen. Wenigstens muss ich nicht für mein Essen bezahlen.

Ich glaube, ich entwickle eine Laktoseintoleranz. Damit bin ich nicht allein, sondern gehöre zu den 43 % der europäisch-stämmigen Einwohnern dieses Landes, die das gleiche Schicksal teilen.

Brazil, where hearts were entertaining june

Sylvia und ich gehen durch die Savanne spazieren. Die Sonne brennt heiß und trocken. Faz muito calor. Da fällt mir das Lied ein, dessen Text ich Ende 2014 auswendig gelernt habe und das ich immer wieder morgens laut in meinen Helm schmetterte, während ich bei Minusgraden mit dem Motorrad zur Arbeit fuhr.

Ich fange an zu singen:
Brazil, where hearts were entertaining june
We stood beneath an amber moon
And softly murmured „someday soon“…

Sylvia breitet die Arme in Richtung des vertrocknenden Grases aus und fragt mich, ob ich mir Brasilien so vorgestellt habe.

Nein, sage ich. Ich habe mir gar nichts vorgestellt. Das ist meine Lehre aus unserer Reise nach Kirgistan: Es wird sowieso alles ganz anders, als man sich es vorstellt. Wenn man sich nichts vorstellt, kann man auch nicht enttäuscht werden, sondern nur überrascht werden.

Mission erfüllt

Ein 5-stündiger Ausflug im Cerrado mit Abenteuereinlage.