Häuser bauen mit Matsch und Zement

Der Traum von den eigenen vier Wänden – wer hat ihn nicht? Doch das Ganze mit dem Material, das man auf dem Grundstück vorfinden, und auch noch mit bloßen Händen? Zumindest in Brasilien geht das, wo Bauvorschriften minimal bis gar nicht vorhanden sind.

Um zu lernen, wie man nachhaltig baut, haben wir einen viertägigen Kurs in Biokonstruktion des Institutes für Permakultur belegt. Der Begriff Permakultur kommt eigentlich aus der Landwirtschaft und beschreibt landwirtschaftlich produktive Ökosysteme, welche die Diversität, Stabilität und Widerstandsfähigkeit von natürlichen Ökosystemen besitzen. Mit dem Ziel, selbstregulierende, permanente Systeme zu schaffen, die höchstens minimaler Eingriffe bedürfen, setzt die Permakultur einen Gegenpol zur industrialisierten Landwirtschaft. Im erweiterten Sinne bezieht sie auch das Zusammenleben von Menschen sowie die Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung ein.

In dem Kurs haben wir gelernt, wie man Wände aus Erde, Lehm und Stroh errichtet, wie man Superadobes (mit Erde verfüllte Säcke) verwendet, um Fundamente und Wände zu bauen, wie man Stahlbetondächer mit der Hand fertigt und wie man Sickergruben für Abwasser und Fäkalien konstruiert. An dem Kurs teilgenommen haben auch zwei Indigene aus dem Bundesstaat Tocatins. Das Verrückte in Brasilien ist, dass hier Indigene exotischer sind als Deutsche. Im Gegensatz zu den Andenländern, in denen im Hochland Menschen mit indigener Abstammung in der Überzahl sind, leben sie in Brasilien fast ausschließlich in Reservaten und sind daher im normalen Straßenbild nicht vorhanden. Für mich war es die erste Begegnung mit Indigenen in Brasilien, jedoch nicht die letzte. Wir wurden für August zu einem einwöchigen Fest des Indigenendorfes in Tocatins eingeladen, das etwas 1.200 Kilometer von Brasília entfernt liegt. Die nächste Reise steht also fest.

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