Zweites Buch fertig: „Flucht aus Deutschland“

Nach einem Jahr Recherche und fünf Monaten Schreibarbeit ist mein zweites Buch fertig. Die Arbeit daran hat mich, mein Leben und meine Sicht auf die Welt grundlegend und nachhaltig verändert. Man kann es hier als Taschenbuch oder E-Book käuflich erwerben.

Als Science Fiction-Autor interessiert mich die zukünftige Entwicklung der Menschheit, und ich wollte wissen, was in der allernächsten Zeit auf uns zukommt. Gemäß meinen Vorbildern Aldous Huxley und George Orwell habe ich also erst einmal einen Blick in augenblickliche Entwicklungen und in die allerjüngste Geschichte gewagt, um herauszufinden, wie es weitergeht. Ohne Zweifel verändern Informationstechnologien und das Internet unser Leben derzeit in vielerlei Hinsicht. Arbeitsplätze in der Produktion und in der Dienstleistung verschwinden derzeit für immer aufgrund von Automatisierung und der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Das Internet hat die Globalisierung durch internationale Produktionsketten erst richtig beschleunigt. Soziale und alternative Medien über das Internet wachsen zur Konkurrenz für die etablierten Massenmedien heran und können den Ausgang von Wahlen beeinflussen.

Die klassische Science Fiction beschäftigt sich genau damit: Wie verändern Wissenschaft und Technologie unser menschliches Leben? Doch wenn man einmal die Ausgrabungen der antiken Stadt Pompeji besucht oder sich mit römischem Recht beschäftigt hat, wird einem gewahr, dass sich das urbane gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb von 2.000 Jahren kaum verändert hat. Wissenschaft und Technik verändern ja auch nicht die Eigenschaften von uns Menschen, sondern die technologischen Errungenschaften nutzen wir hauptsächlich dafür, unsere menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Mobbing und Hate Speech hat es auch schon vor dem Internet und dem Aufkommen sozialer Netzwerke gegeben. Solange wir Menschen also nicht massenhaft an unserem genetischen Code herumfummeln, werden wir auch in Zukunft so bleiben, wie wir sind – lediglich mit ein paar zusätzlichen mehr oder weniger sinnvollen technischen Gadgets.

Was unsere Welt im Augenblick jedoch massiv verändert, ist unsere Kultur, die unser Leben seit der Sesshaftigkeit vor über 10.000 Jahren bestimmt, und ihre derzeitig besonders hervorstechenden Ausprägungen wie

  1. der Kapitalismus und seine besondere Form des Neoliberalismus, der Befreiung des Kapitalismus von jedweder Regulierung, welche zu einer beschleunigten Umverteilung des Reichtums von der Allgemeinheit in die Hände Weniger führen sowie
  2. die geopolitischen Ziele der Eliten der USA und Westeuropas, die sich im Krieg gegen den Terror sowie im neuen Kalten Krieg gegen Russland und China manifestieren.

Zu 1.) Dass Besitzende mehr Rechte haben als Besitzlose, zieht sich seit der Sesshaftigkeit durch die Menschheitsgeschichte bis in unser Grundgesetz. Dort finden wir das Grundrecht auf Eigentum und Erbe, jedoch nicht ein explizites Grundrecht auf Arbeit oder Sozialhilfe. Massen- und Arbeitsarmut widersprechen demnach nicht dem Grundgesetz, während das Vermögen von Milliardären geschützt ist. Auf dieser Basis operiert der Kapitalismus, der durch die Möglichkeit, auf verliehenes Geld Zinsen zu verlangen, die Umverteilung von Vermögen von Arm nach Reich beschleunigt. Denn die Zinsen der Einen sind die Schulden der Anderen. Gewinne aus Zinsen können nur durch ein konstantes Wirtschaftswachstum, Schulden oder Enteignung befriedigt werden. In einer Gesellschaft mit gleichbleibender Bevölkerung ist ein Wachstum nur durch Rationalisierung, Automatisierung und Lohnzurückhaltung möglich. Genau diese Entwicklung können wir in den Industriestaaten in den letzten 40 Jahren feststellen: steigende Arbeitsarmut bei steigender Produktivität. Doch mit der exponentiell wachsenden Gewinnerwartung aus Zinseszinsen, dem Geschäft der Finanzindustrie, kann auf Dauer kein Wirtschaftswachstum mithalten. Die längst überfällige Implosion der Blase der Finanzindustrie wird derzeit nur durch die Globalisierung und die weltweite, beinahe exponentielle Steigerung der Staatsschulden kompensiert. Seit der Finanzkrise 2008 ist die Anzahl der Dollarmilliardäre weltweit von ca. 1.000 auf ca. 2.200 gewachsen, während im gleichen Zeitraum die Staatsschulden weltweit um ca. ein Viertel gestiegen sind.

Angesichts dieser Zahlen und dem Automatisierungspotential, welches noch in der Entwicklung der Informationstechnologie steckt und das zu weiteren Arbeitsplatzverlusten führen wird, stehen uns in den Industrieländern immense soziale und innenpolitische Konflikte bevor. Wenn man ehrlich ist, dann befinden wir uns schon mittendrin.

Zu 2.) Das Ziel der Außenpolitik eines Imperiums, wie die USA eines sind, war und ist immer die Dominanz der Welt. Da sich die Vereinigten Staaten nicht auf dem ressourcen- und bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde befinden, bestand und besteht ihr geostrategisches Ziel darin, eine Supermacht auf dem eurasischen Kontinent zu verhindern. Die Containment-Politik der USA nach dem Zweiten Weltkrieg, also die Eindämmung der Einflussgebiete der Sowjetunion bzw. Russlands und Chinas mit ihren Stellvertreterkriegen in Korea, Vietnam, Kambodscha, Serbien, Afghanistan, Irak, Ukraine und Syrien sind Zeugnis dieser Strategie. Die ideologische Grundlage für die offenen und verdeckten Kriege der USA und ihrer Alliierten war zunächst der Kampf gegen den angeblich gefährlichen, expansionistischen und menschenverachtenden Kommunismus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Öffnung Russlands und Chinas für den Kapitalismus löste der Krieg gegen den Terror die ideologische Begründung für die völkerrechtswidrigen Angriffskriege der USA und ihrer Alliierten mit bis zu 30 Millionen zivilen Opfern seit dem Zweiten Weltkrieg ab.

Ich würde gerne über die Expansion der Menschheit ins Weltall, Erleichterungen im Alltag durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Errungenschaften sowie utopische politische Verhältnissen auf der Erde schreiben. Leider gibt meine Analyse eine derartig positive Entwicklung nicht her. Die Menschheit steht derzeit am Abgrund. Dieser befindet sich durch das exponentielle, also beschleunigte Wachstum von dem Reichtum Weniger und die im gleichen Maße ansteigenden Schulden der großen Masse der Menschen weit näher, als wir denken. Der Grund dafür liegt in unserer Kultur, welche stetiges und durch den Kapitalismus sogar exponentielles Wachstum benötigt, um nicht zu kollabieren. Dem gegenüber steht eine endliche Welt, mit endlichem Raum, endlichen Ressourcen und begrenztem Wachstumspotential. Um diesen Raum und diese Ressourcen tobt eine erbitterte, andauernde militärische Auseinandersetzung, welche seit dem Zweiten Weltkrieg größtenteils von den USA und ihren Alliierten ausgelöst und dominiert wird. Ein Rückgang dieser Entwicklung ist nicht zu erwarten. Derzeit steigen die Ausgaben für Rüstung weltweit. Gepaart mit dem Hunger der Eliten der Welt nach exponentiellen Wachstum ihrer Vermögen ist kein Ende der Ausbeutung von Menschen und Ressourcen, keine Abrüstung und kein Ende des Klimawandels in Sicht, und die Gefahr eines weltweiten Nuklearkriegs steigt weiter an.

Über kurz oder lang werden wir jedoch unsere Kultur auf ein ausgeglichenes Verhältnis mit den gegebenen natürlichen Ressourcen anpassen müssen. Die Frage ist nur, ob dies per Design oder Desaster passiert. Die derzeitige Entwicklung und die zugehörigen Fakten geben keinen Anlass, auf Ersteres zu wetten.

In meiner fiktionalen Geschichte beschreibe ich, wie mein Protagonist, der junge Bauingenieur Chris, sich diese Kenntnisse mit Unterstützung seines neuen Freundes Immanuel aneignet. Dieser Prozess verläuft in seinem etablierten Freundeskreis nicht konfliktfrei, da das Selbstverständnis der westlichen Wertegemeinschaft, welches durch die Leitmedien gezeichnet wird, diesen Erkenntnissen diametral entgegensteht. Schon bald wird er sowohl von seinen Freunden als auch von seiner Lebensgefährtin als verwirrter Verschwörungstheoretiker angesehen, während er die Manipulation und die Propaganda hinter der westlichen Politik und den zugehörigen Leitmedien erkennt.
In die verschiedenen Dialoge der Geschichte sind meine persönlichen Erfahrungen in meinem eigenen Freundes- und Bekanntenkreis während der Zeit der Recherche und der Umsetzung des Buches eingeflossen. Aus meiner Sicht teilt sich unsere Gesellschaft in vier Typen:

  • Die Totalleugner: Sie informieren sich über die Vorgänge in der Welt ausschließlich über ihre Filterblase, die Leitmedien, deren gleichgeschaltete Berichterstattung sie als Bestätigung für die Wahrhaftigkeit der übermittelten Informationen sehen. Sie leugnen pauschal jede Kritik oder abweichende Sichtweise daran und ächten Kritiker als verwirrte Verschwörungstheoretiker. Ihre Lieblingssendungen sind die „heute-show“ und „Extra 3“, wenn sie überhaupt öffentlich-rechtliche Medien konsumieren. Sie stellen die zahlenmäßig größte Gruppe dar (persönliche Erfahrung: ca. 80 %).
  • Die Halbleugner: Sie informieren sich über die Leitmedien, lesen jedoch auch kritische Literatur und beschäftigen sich mit alternativen Medien. Sie schauen sich politische Satire an (Volker Pispers oder „Die Anstalt“) und ahnen, dass die Welt nicht so ist, wie sie von den Leitmedien dargestellt wird, wollen die Wahrheit jedoch nicht wissen. Denn die Wahrheit ist so ungeheuerlich, dass sie ihr positives Bild der westlichen Wertegemeinschaft grundsätzlich in Frage stellen müssten. Sie stellen eine Minderheit dar (persönliche Erfahrung: ca. 20 %).
  • Die Kritiker: Sie besitzen keinen Fernseher mehr oder nutzen das Medium nur gezielt (z.B. für Sportsendungen), lesen kritische Literatur, stellen aufgrund der frei verfügbaren Fakten eigene Recherchen und Überlegungen an und vergleichen die Berichterstattung der Leitmedien mit derjenigen der alternativen, kritischen Medien. Aufgrund der Gefahr der sozialen Ächtung durch die Totalleugner geben sie ihre Meinung in der Öffentlichkeit nur selten preis. Sie stellen eine absolute Minderheit dar (persönliche Erfahrung: zwei Personen im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis).
  • Die Aluhutträger: Sie verlassen sich mehr auf Hörensagen als auf Nachrichten und verwechseln – ähnlich wie die Totalleugner – Erkenntnis mit Bekenntnis. Sie benötigen keine Fakten, um ihr Weltbild zu konstruieren, und stellen ihre Wahrheit über diejenige Anderer. Anzeichen für Aluhutträger sind Verfolgungswahn, UFO-Sichtungen oder Glaube an Chemtrails. Totalleugner und Halbleugner sehen Kritiker gerne als Aluhutträger an. Das macht es ihnen leichter, sich nicht mit den Fakten der Kritiker beschäftigen zu müssen. Die Aluhutträger stellen auch eine absolute Minderheit dar (persönliche Erfahrung: zwei Personen im gesamten Freundes- und Bekanntenkreis).

Mein Protagonist Chris, der sich von den Leitmedien abwendet und sich über Fakten und kritische Quellen eine persönliche Meinung bildet, empört sich über die Propaganda und die Manipulation des Mainstreams sowie über die Haltung seiner Freunde, die er noch wenige Monate zuvor geteilt hat. Über Immanuel lernt er jedoch neue Freunde kennen, mit der er auf Augenhöhe kommunizieren kann. Gemeinsam mit diesen versucht er, seine Umwelt wachzurütteln und die Propaganda der Leitmedien zu entlarven.

Um mich in die Situation meiner Charaktere einzudenken, führe ich seit einem halben Jahr selbst einen Blog unter www.goodnews-badnews.org, der die Manipulation der Leitmedien anhand konkreter Beispiele aufdeckt. Was Propaganda in unserer heutigen Welt bedeutet und woran man sie erkennen kann, habe ich weiter unten unter dem Absatz „Die Gedanken sind frei… Wirklich?“ zusammengefasst.

Es wäre naiv zu glauben, dass die etablierten Eliten in Deutschland und der westlichen Wertegemeinschaft, welche von dem bestehenden politischen und wirtschaftlichen System profitieren und über einen immensen Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung und die Politik verfügen, sich von ein paar Alternativmedien im Internet auf Basis von Crowd-Funding die Butter vom Brot nehmen lassen würden. An der Verabschiedung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes kann man erkennen, wie die alternative Meinungsbildung in sozialen Netzwerken mit privatisierter Zensur unter dem Deckmantel der Hate Speech-Bekämpfung eingegrenzt werden soll.

Daher fällt das Engagement meiner Protagonisten auch einer Erweiterung des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes zum Opfer, und sie müssen als politische Flüchtlinge Deutschland verlassen und sich auf die Suche nach einem Staat machen, der sie aufnimmt und nicht ausliefert.

Mir ist bewusst, dass ich mit dem Thema meines Buches nicht die Erwartungen des Mainstreams bediene. Der Ausgang meiner Arbeit hat sich zudem im Laufe der Recherche verändert. So bin ich an das Thema Verschwörungstheorien rund um 9/11 mit der Zielsetzung herangegangen, den bedenklichen mentalen Zustand meines Protagonisten darzustellen. Ich war überrascht, auf zwei ehrenamtliche Netzwerke von Luftfahrt- und Architekturexperten mit jeweils mehreren tausend Mitgliedern zu stoßen, die sich ernsthaft und wissenschaftlich mit den Ereignissen rund um die Terroranschläge am 11. September 2001 in New York und Washington beschäftigen. Geschockt war ich, als ich feststellen musste, dass diese Experten handfeste Beweise herausgearbeitet haben, die zeigen, dass der offizielle Bericht der US-Regierung zu diesen Anschlägen nicht nur grobe Mängel, sondern auch bewusste Fälschungen aufweist. 9/11 ist der Dreh- und Angelpunkt des Krieges gegen den Terror. Sollte sich der Verdacht, den diese Beweise nahelegen, bestätigen, dass die US-Regierung sowie der Deep State der Vereinigten Staaten an diesem Anschlag beteiligt waren, um vor der amerikanischen Bevölkerung lange im Voraus geplante Steigerungen der Rüstungsausgaben und Angriffskriege auf Afghanistan und den Irak zu rechtfertigen, dann ist unsere Welt und unser westliches Selbstverständnis ganz schön im Arsch.

Ich sehe das Schriftstellertum als Tür zur Wahrhaftigkeit an. Ich gehe daher das Risiko ein, von meiner Umwelt als verwirrter Verschwörungstheoretiker wahrgenommen zu werden, wenn ich auch nur einen einzigen weiteren Menschen davon überzeugen kann, sich von der Propaganda der Leitmedien abzuwenden und sich auf Basis der Fakten eine eigene Meinung zu bilden.

Die Gedanken sind frei… Wirklich?

Bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts haben Psychologen und Soziologen die Grundlagen und Methoden der Propaganda für die erfolgreiche Steuerung der Massen herausgearbeitet. Der österreichisch-stämmige Amerikaner Edward Bernays hat in seinem 1928 erstmalig erschienenem Buch „Propaganda“ den Grundstein für die Disziplin „Public Relations“ gelegt. Wer in modernen Gesellschaften als Politiker, Partei oder Unternehmen erfolgreich sein will, der muss die öffentliche Meinung auf seiner Seite haben. Folglich sind diejenige Politik und dasjenige Unternehmen besonders erfolgreich, welche die öffentliche Meinung am besten beeinflussen können. Bernays unterstützte die amerikanische Regierung dabei, Zustimmung in der Öffentlichkeit für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu erlangen, und war nach dem Zweiten Weltkrieg im Auftrag der American Tabacco Company dafür verantwortlich, dass Frauen zur Zielgruppe der Zigarettenindustrie wurden. Joseph Goebbels hat seine Veröffentlichungen benutzt, um die antijüdische Propaganda im Dritten Reich aufzubauen.

Während Bernays den Beruf des Public Relation-Beraters noch einem ethischen Kodex unterworfen sah, ähnlich dem Beruf des Mediziners oder Anwalts, hielt der deutschstämmige amerikanische Journalist, Schriftsteller und Medienkritiker Walter Lippmann Propaganda für ein adäquates Mittel der Politik, um die Masse der Menschen, die er als „verwirrte Herde“ bezeichnete, zu steuern. Journalisten sah er als „Gatekeeper“, die entscheiden, welche Informationen der Öffentlichkeit vorenthalten und welche weiterbefördert werden sollten.

Dass die fast 100 Jahre alten, grundlegenden Arbeiten zu Public Relations dieser Herren ähnlich wie die geostrategischen Ziele der Vereinigten Staaten heute einer überwältigenden Mehrheit der Menschen unbekannt sind, muss als größter Erfolg der Propaganda gewertet werden. Wer heute als Otto-Normalbürger die Tagesschau einschaltet oder die Tageszeitung aufschlägt, denkt in der Regel bei den dort übermittelten Informationen nicht an Propaganda. Im Gegenteil, Menschen, die auf die Manipulation durch die Leitmedien hinweisen, werden – gemäß der Propaganda – als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Dieser bedingungslose Glaube an die Leitmedien als unabhängige vierte Macht im Staat zieht sich durch alle Gesellschafts- und Bildungsschichten. Doch was ist Propaganda in unserer heutigen Zeit? Hier einige Beispiele.

Propaganda ist,

  • wenn 70 Prozent der amerikanischen Soldaten, die 2003 in den Krieg gegen den Irak gezogen sind, geglaubt haben, dass Saddam Hussein mitverantwortlich für die Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington war,
  • wenn kaum jemand weiß, dass an jenem Tag, der die Welt veränderte und den die Amerikaner 9/11 nennen, ein drittes 47-stöckiges Hochhaus eingestürzt ist, obwohl es nicht direkt von einem Flugzeug getroffen wurde,
  • wenn Menschen, die noch nicht einmal wussten, dass ein drittes Gebäude an jenem Tag eingestürzt ist, eine Gruppe von über 2.000 Architekten, Bauingenieuren und Physikern (Architects & Engineers for 9/11 Truth) automatisch als verwirrte Verschwörungstheoretiker abstempeln, wenn sie davon erfahren, dass diese Experten die Behauptung der US-Regierung anzweifeln, Feuer sei der Grund für den symmetrischen Kollaps im freien Fall dieses Hochhauses gewesen,
  • wenn die Mehrheit der Bevölkerung davon überzeugt ist, dass der Kreml westliche Politik und Wahlen entscheidend beeinflusst, obwohl es dafür keinen einzigen handfesten Beweis gibt,
  • wenn man glaubt, dass Russland sich derzeit außenpolitisch aggressiv verhält, obwohl die NATO immer weiter Richtung Osten vorrückt und die USA und ihre Alliierten Verbündete Russlands völkerrechtlich illegitim angreifen,
  • wenn die Mehrheit der Deutschen glaubt, sie seien die Guten, obwohl ihr Land Seite an Seite mit den USA Kriegsverbrechen begeht und von deutschem Boden aus über die größte Militärbasis der USA im Ausland in Ramstein die Kriege gegen Afghanistan, den Irak, Libyen und Syrien sowie der Drohnenkrieg im Nahen und Mittleren Osten organisiert werden,
  • wenn islamistisch motivierter Terrorismus in Nordamerika und Westeuropa, der hauptsächlich von Bürgern dieser Länder ausgeht und der nach 9/11 keine 1.000 Menschenleben gefordert hat, als Grund angesehen wird, völkerrechtlich illegitime Angriffskriege mit weit mehr als einer Millionen ziviler Todesopfer in muslimischen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie in Nordafrika durchzuführen.

Wahre Macht wird durch die öffentliche Meinung legitimiert. Wer die öffentliche Meinung beherrscht, beherrscht auch die Welt.

Intermezzo: Meine Hängematte

Die Brasilianer sagen: Spätestens nach der dritten schlaflosen Nacht in der Hängematte schläfst du super!

Unsere erste Nacht in der Hängematte verbrachten wir auf dem Schiff von Manaus nach Novo Airão, dicht gepackt mit anderen Fahrgästen. Natürlich verlief die Nacht für mich größtenteils schlaflos. Ich vertrieb mir die Zeit mit allerlei Gedanken, z.B. welche Stellungen beim Geschlechtsakt in einer Hängematte möglich sind. Nach kurzer Bemühung meiner Phantasie kam ich zu dem Schluss, dass man möglichst jede Form des Koitus gemeinsam in der Matte vermeiden sollte, will man ohne Absturz und Blessuren davonkommen. Den Rest der Nacht vertrieb ich mir mit Gedanken an ein ruhiges und sauberes Hotelzimmer mit Klimaanlage und Minibar.

Doch bereits die zweite Nacht unter freiem Himmel konnte ich prima durchschlafen, wozu auch das eingebaute Moskitonetz unserer Reisehängematten beitrug.

Fazit: Als Alternative zum Schlafen auf der Luftmatratze bietet die Hängematte einige Vorteile: Schutz vor krabbelnden und fliegenden Tieren aller Art, keine Bodenkälte und geringes Transportgewicht. Auf freiem Feld ohne Bäume ist man natürlich vollkommen aufgeschmissen, und zur Fortpflanzung ist sie gänzlich ungeeignet.

Tropfsteinhöhlen – Hast du eine gesehen, hast du alle gesehen

Das nächste Ziel auf unserer Reise nach Rio war die „Gruta de Maquiné“ kurz vor Belo Horizonte. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass sich nicht nur sämtliche Tropfsteinhöhlen verdammt ähneln, sondern auch die Sprüche der Touristenführer: „Stalagmiten, Stalagtiten und seht mal dort. Sieht das nicht aus wie ein Pferdekopf, ein Salamander oder ein erigierter…?“

Ich glaube, das war meine letzte Tropfsteinhöhle.

Ein Jahr Brasilien

Jetzt ist genau ein Jahr herum. Ein Jahr in der Fremde, ein Jahr Freiheit, ein Jahr Selbstbestimmtheit.

Als ich ankam, wusste ich so gut wie nichts über das, was mich erwartete. Doch ich hatte Ziele. Ich wollte möglichst schnell Portugiesisch lernen, Bücher schreiben und reisen. Außerdem wollte ich vom Arbeitsstress runterkommen.

Und jetzt

Die ersten drei Monate habe ich eigentlich nur Portugiesisch gelernt, ein Auto gekauft und den Cerrado hinter unserem Condominio erkundet. Das Erlernen der Sprache habe ich mir deutlich einfacher vorgestellt. Zuerst habe ich einen Online-Kurs bei busuu.com gemacht. Wenn es nach den ganzen Zertifikaten geht, die mir dort automatisiert erstellt wurden, wäre ich damals schon „Fortgeschrittener“ gewesen. Tatsache war aber, dass ich nicht einen portugiesischen Satz gerade heraussprechen konnte, und verstanden habe ich immer nur Bahnhof, wenn Brasilianer in ihrer Muttersprache mit mir geredet haben. Fazit: Die Online-Lernplattformen versprechen mehr, als sie halten können. Die Didaktik ist viel zu simpel und nicht logisch aufgebaut. Dann habe ich einen Anfängerkurs mit fünf anderen Leuten in Brasilia gemacht. Das war schon ein wenig besser, jedoch hat mich die Fahrerei in die Stadt genervt. Je nach Verkehr braucht man zwischen einer halben und einer ganzen Stunde für eine Richtung. Was wirklich hilft, sind die regelmäßigen Sprachstunden, die ich mit einer brasilianischen Nachbarin mache sowie die regelmäßigen Hundesparziergänge mit einem weiteren brasilianischen Nachbarn. Nun, nach einem Jahr, kann ich mich mittlerweile ganz gut verständigen, und ich verstehe auch hin und wieder einen Satz, wenn mich Brasilianer ansprechen.

Nach den ersten drei Monaten kamen weitere drei Monate der Recherche für eine Science Fiction-Geschichte. Das war eine spannende und sehr erhellende Zeit. Die Ergebnisse habe ich in Aufsätzen festgehalten, die man hier finden kann. Mir ist klar geworden, dass mein Kindheitstraum, zu den Sternen zu fliegen, selbst in der Literatur kaum einen Sinn macht. Wir Menschen werden wahrscheinlich niemals zu anderen Sternen reisen. Auch nach einem Jahrhundert Forschung ist seit Entdeckung der kosmischen Höchstgeschwindigkeit von 300.000 km/s nicht einmal ansatzweise eine physikalisch machbare Lösung in Sicht, um schneller als Lichtgeschwindigkeit zu reisen. Die Wesen, die nach uns kommen und die von uns konstruiert werden, haben vielleicht eine bessere Chance, mit den langen Reisezeiten, die eher Jahrtausende andauern werden, klarzukommen. Doch diese Wesen werden sich von uns unterscheiden. Meine Phantasie reicht im Augenblick leider nicht aus, mir sie vorstellen zu können. Ich weiß auch nicht, ob sie überhaupt spannende Geschichten erleben werden. Daher habe ich mich mit den derzeitigen Schlüsseltechnologien und der näheren Zukunft beschäftigt. Dabei habe ich festgestellt, dass wir in der wahrscheinlich spannendsten Zeit der Menschheitsgeschichte leben. Das irrsinnige Bevölkerungswachstum, das jetzt seit einem Jahrhundert andauert und nach heutigen Kenntnissen noch ein weiteres Jahrhundert anhält, verändert die Welt so rasant, dass einem schwindelig werden kann. In 200 Jahren werden Historiker vielleicht einmal romantisch verklärt davon träumen, in einer so spannenden Zeit wie heute gelebt zu haben. Schade nur, dass die meisten Menschen so viel Angst vor Veränderung haben und eher die Gefahren als die Möglichkeiten sehen.

Bei der Recherche sind mir gleich mehrere Ideen für spannende Science Fiction-Geschichten eingefallen. Die erste und aus meiner Sicht einfachste Geschichte habe ich bereits im September letzten Jahres angefangen. Ich wurde jedoch unterbrochen von zwei Reisen durch Brasilien und nach Bolivien. Die Reisen waren eher anstrengend und nervenaufreibend statt erholsam. Ich habe die Entfernungen und die Straßenverhältnisse auf diesem Kontinent einfach unterschätzt. Für die 3.000 Kilometer von Brasilia nach La Paz in Bolivien habe ich sieben Tage benötigt, und dabei bin ich immer von Tagesanfang bis Ende gefahren. Die Reisen waren eher hektische Aktionen, die ich so nicht wieder machen werde. Ich plane noch eine größere Reise mit dem Auto, und zwar für drei Monate nach Patagonien und zurück. Dafür muss ich bis zum nächsten Sommer abwarten, der auf der Südhälfte der Erdkugel erst Ende dieses Jahres beginnt.

Die Reiseeindrücke konnte ich jedoch prima in meine Geschichte einbauen, die ich dann von Dezember bis Ende Februar geschrieben habe. Es sollte eigentlich eine Kurzgeschichte von maximal 40 Seiten werden. Sie ist dann doch 140 Seiten lang geworden. Seit Anfang März bin ich dabei, die Geschichte ins Englische zu übersetzen. Derzeit bin ich auf Seite 75 angekommen. Danach suche ich einen Verleger in Deutschland und im englischsprachigen Raum. Ich brauche ein Erfolgserlebnis.

Dann folgt die zweite Geschichte, an deren Konstruktion ich immer wieder zwischendurch arbeite.

Das letzte Ziel habe ich auch einigermaßen erreicht. Als ich Deutschland verlassen habe, musste ich zwei unterschiedliche Medikamente nehmen, um meinen Blutdruck auf gesunde Werte zu bringen. Eines davon habe ich bereits ganz am Anfang weggelassen. Das zweite konnte ich jetzt nach einem Jahr auf die Hälfte der Menge dosieren.

Das einzige, was ich derzeit vernachlässige, ist mein Blog. In mein Leben hier in Brasilien ist mittlerweile der Alltag eingekehrt.

Neue Horizonte

Über den Alltag gibt es weniges zu berichten. Er ist geprägt von wiederkehrenden Ereignissen. Um meine Leserinnen und Leser zu überraschen, muss ich wahrscheinlich schon Nacktbilder einstellen.

In Brasilien ist die Freiheit grenzenlos

 

Ein Jahr Auszeit = drei Jahre mehr Lebenszeit

Die Ursachen für Bluthochdruck sind bisher weitestgehend unbekannt. Man weiß, dass die Verengung von Arterien durch falsche Ernährung, Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss Bluthochdruck auslösen. Dies erklärt jedoch nicht, wieso auch normalgewichtige Nichtraucher, die wenig oder gar kein Alkohol trinken, an diesen Symptomen leiden können.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die aus unbehandeltem Bluthochdruck resultieren können, sind die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen. Von Arbeitenden mit einem durchschnittlichen Alter von 44 Jahren haben nur 35 % einen normalen Blutdruck. Daher wird vermutet, dass die Ursachen für hohe Blutdruckwerte psychosomatisch sind.

Eine schwedische Langzeitstudie mit einer Laufzeit von über 40 Jahren und mit den Daten von 93.000 Männern hat nun einen empirischen Zusammenhang hergestellt zwischen einer geringen Fähigkeit zur Stressabwehr und einer Neigung zum Bluthochdruck. Einen Artikel zu der Studie kann man bei Telepolis finden.

Als Betroffener ist mir der Zusammenhang zwischen äußerem und innerem Druck bereits in den letzten Jahren bewusst geworden. Adrenalin schüttet der Körper normalerweise nur in Stresssituationen aus. Doch wenn die Stresssituation zum Dauerzustand wird, wird es lebensgefährlich. Man kann einem Dauergestressten auch nicht sagen: Nimm’s locker. Das ist ein Paradoxon. Das einzige, was wirklich hilft, ist eine radikale Vermeidung von Stress. Bei mir hat es geholfen. Mein Blutdruck ist gesunken. Herzrhythmusstörungen gehören der Vergangenheit an.

Ob meine Rechnung aus dem Titel aufgeht, ist natürlich nicht zu beweisen. Mein Gefühl sagt mir jedoch, dass ich das Richtige tue. Man kann sein Erspartes in Autos, Häuser oder Lebensversicherungen investieren – oder in sich selbst. Ein stressfreies Leben bedeutet auch nicht unbedingt Langweile. Man kann durchaus produktiv sein. Wer’s nicht glaubt, dem empfehle ich die Lektüre meines ersten Buches „Ein Versicherungsfall„, dessen 12. Kapitel ich gerade veröffentlicht habe. Ob ich damit reich und berühmt werde, ist eine andere Frage. Auf jeden Fall ist der Ansatz richtig.

Suchbild

Widerspruch

Irgendetwas an diesem Bild ist äußerst widersprüchlich. Könnt ihr mir folgen?

Was wollt ihr sein? Touristen oder Reisende?

Was ist Urlaub? Volkswirtschaftlich gesehen dient der Urlaub wie die Freizeit im Allgemeinen zur Wiederherstellung der Arbeitskraft. Denn die Arbeit soll der Mittelpunkt unseres Lebens sein. Sie dient der Erhaltung der Existenz, sie ist sinnstiftend und sie ist der Ort, an dem man seine Kreativität und Leistungsfähigkeit ausleben soll. Eine moderne Volkswirtschaft im Rahmen unserer globalisierten Welt ist erfolgreich, wenn ein Großteil ihrer Mitglieder diese Weltsicht teilt.

Zur Wiederherstellung der Arbeitskraft reicht es eigentlich aus, wenn man sich ein Bier aufmacht, einen Joint anzündet und einen halben Tag lang im Garten oder im Park den Vögeln beim Zwitschern zuhört. Wenn man intensiv mit seinen Kindern spielt, ausgedehnte Spaziergänge macht oder den ganzen Tag Videospiele zockt. Hauptsache man denkt nicht an die Arbeit und schaltet einmal richtig ab. Im Idealfall ist man am Ende des Urlaubs so sehr von seinen Lieblingsbeschäftigungen gelangweilt, dass man wieder richtig Lust auf die Arbeit hat.

Aufgrund der Begrenztheit der Urlaubszeit und der Freiheit, diese Zeit selber und individuell gestalten zu können, ist Urlaub jedoch auch die wertvollste Zeit im Leben. Wertvolle Zeit verschwendet man nicht einfach damit, seinen Fingernägeln beim Wachsen zuzuschauen. Diese Zeit soll besonders intensiv sein. Sie soll die schönste Zeit im Jahr sein. Sie soll den Horizont erweitern. Sie soll bleibende Eindrücke hinterlassen. Sie soll im absoluten Kontrast zum eintönigen Alltag stehen. Im besten Fall sollen diese Eindrücke die Mitmenschen auch noch beeindrucken. „Was hast du so im Urlaub gemacht?“ – „Oh, ich war Tauchen, Kiten, Mountainbike fahren, Klettern und Fallschirmspringen. Alles auf einmal. Willst du Fotos sehen?“

Fernreisen sind eine weitere ideale Möglichkeit, die Intensität der Urlaubszeit zu steigern. Diese Welt ist so riesig und unsere Zeit so begrenzt, dass es einem Lebenswerk gliche, wollte man alle Länder dieser Welt bereisen. Doch was macht man in der kurzen Zeit in der Fremde? Schließlich ist alles fremd, man spricht die Sprache nicht und findet sich nicht zurecht. Genau, man bereitet sich vor. Wofür gibt es schließlich Reiseführer, Reisedokumentationen und Sprachkurse? Und so reist man von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten, trifft dabei Seinesgleichen, kauft Andenken und setzt bei den Selfies vor den Natur- und Kulturdenkmälern sein attraktivstes Kameralächeln auf. Im Restaurant sagt man brav „Guten Tag“, „Dankeschön“ und „Auf Wiedersehen“ in der fremden Sprache, so wie man es im Sprachführer gelernt hat. Und dann fliegt man wieder nach Hause und kann sagen: „Australien, da war ich auch schon einmal. Schönes Land, aber ganz schön teuer.“

Doch was bleibt wirklich? Sind es wirklich die ganzen Bilder von den Orten, die man zuvor in Büchern und im Fernsehen gesehen hat und die man am eigenen Leib erfahren hat? Ich bitte euch, an eine beliebige Fernreise zurückzudenken und euch an die intensivste Erfahrung zu erinnern. Was hat euch wirklich beeindruckt? Das was ihr erwartet habt, was ihr geplant habt? Oder etwas völlig Fremdes? Etwas, mit dem ihr nicht gerechnet habt, z.B. ein seltsamer Tierlaut, ein völlig überraschender Geschmack oder Geruch, die Stille in der Steppe, ein Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung, eine herzliche Begegnung mit einem fremden Menschen?

Stellt euch bitte einmal vor, die wertvolle Zeit ist im Überfluss vorhanden und ihr könnt euch von dem Zwang lösen, nichts verpassen zu dürfen. Dann legt den Reiseführer und die Kamera beiseite, besorgt euch ein Auto und fahrt durch die Gegend. Das Ziel kann völlig banal sein, z.B. immer in eine Himmelsrichtung oder an einen weit entfernten Ort, an dem ihr noch nie wart. Dann entdeckt ihr magische Orte und lernt fremde Menschen kennen. Plötzlich seid ihr keine Touristen mehr, keine Dollarzeichen in den Augen der Menschen, deren Heimat ihr besucht. Dann seid ihr für die fremden Menschen genauso exotisch wie diese für euch sind. Erst dann können echte Begegnungen und ein echter Austausch stattfinden. Wenn ihr soweit seid, dann seid ihr Reisende, aufgeschlossen für das Fremde und Botschafter der eigenen Kultur.

Gedanken zum Wochenende

Ich konnte die halbe Nacht nicht schlafen, weil ich vor dem Portugiesisch-Kurs heute noch einen Kaffee mit Joyce getrunken habe. Für jemanden, der so gut wie nie Kaffee trinkt, wird Coffein zu einer stark wirkenden Droge. Um die Zeit zu vertreiben, habe ich alte Blogeinträge aus dem aktuellen und unserem letzten Blog gelesen. Besonders bei diesem bin ich hängengeblieben: Gesellschaft zur Verfolgung sinnfreier und paradoxer Ziele.

Meine Niederschriften von damals haben mich noch einmal über den innersten Kern des Menschseins, sozusagen den Unique Selling Point des Menschen, so wie ich ihn wahrnehme, nachdenken lassen: die Fähigkeit, unsere Ziele im Leben selber aussuchen und unser Leben selber bestimmen zu können. Der Erzfeind des selbstbestimmten Lebens ist die Notwendigkeit der Existenzsicherung. Selbstbestimmung ist demnach ein Luxusgut und für mich eines der höchsten, über das wir verfügen.

Damals haben Sylvia und ich den Mut gefasst, mit einem schmalen Budget eine einjährige Weltreise in Angriff zu nehmen. Wir haben uns auf unser soziales Kapital und unser Bildungskapital verlassen und gehofft, dass wir nach der Reise schnell wieder Geld verdienen konnten. Dies ist uns ja dann auch geglückt, sogar bei uns beiden in den alten Anstellungen. Das Ziel unserer Reise war im Grunde genommen ziemlich egal. Die Hauptsache war, möglichst großen Abstand zu unserem Arbeitsalltag zu bekommen. Je weiter weg, je exotischer und je absurder das Reiseziel desto größer der Abstand.

Hinsichtlich der Entfernung, der Kultur und der äußeren Bedingungen für uns und unser Auto war dieser Abstand in Kasachstan und Kirgistan so extrem, dass er große Gefühlsschwankungen auslöste. Auf der einen Seite intensive landschaftliche Eindrücke, interessante Begegnungen mit Menschen und Tieren sowie das Hochgefühl, wenn man schwierige Herausforderungen gemeistert hat. Auf der anderen Seite zeitweise beängstigende Gefühle von Ausgeliefert-, Fremd-, und Verlorensein. Beide Extreme haben wir versucht in unserem Blog darzustellen.

Meinen damals empfundenen Widerspruch zwischen meinen Zielen und dem Sinn, den ich in meinem Leben sah, existiert heute nicht mehr. Auf unserer Reise ist mir klargeworden, dass eigene Projekte viel wertvoller sind als die Projekte anderer Leute und dass man für Projekte Ressourcen benötigt. Den Plan für mein Projekt habe ich bereits auf der Reise geschmiedet. Es heißt „Karsten wird Science Fiction-Autor“. Die Ressourcen, um für ca. fünf Jahre nicht Geld verdienen zu müssen, habe ich mir in den letzten zwei Jahren zusammengespart.

Als Sylvia mit der Idee kam, für drei Jahre nach Brasilien zu gehen, war ich dafür sehr aufgeschlossen. Schließlich ist es egal, wo ich schreibe. Allerdings erzeugt mein Aufenthalt hier auch Konkurrenzprojekte. Ich muss Zeit aufwenden, um Portugiesisch zu lernen, der Blog und insbesondere die Videos rauben Zeit und ich wäre schön blöd, wenn ich die Chance nicht nutzen würde, ein wenig durch Südamerika zu reisen. Zugegeben, das sind ziemlich abgehobene Luxusprobleme, doch für mich sind sie real. Ich habe bereits den Plan, dieses Jahr noch ein Buch über unsere einjährige Auszeit fertigzustellen, aufgegeben. Ich will nicht mehr in die Vergangenheit blicken. Das habe ich lange genug getan. Ich will nach vorne schauen. Außerdem ist unser damaliger Blog, so wie er im Internet steht, ein in sich abgeschlossenes Werk, das man kaum verbessern kann.

Das Unterbewusstsein ist ein faules Arschloch

Zunächst einmal möchte ich mich für die derbe Wortwahl im Titel entschuldigen. Ich habe mich in letzter Zeit – genauer gesagt: seitdem er einen der Produzenten seiner Show „Top Gear“ verprügelt hat, weil dieser ihm kein warmes Essen organisiert hat, und dafür von der BBC gefeuert worden ist – mit dem Charakter des englischen Moderators Jeremy Clarkson beschäftigt. Jeremy Clarkson fasziniert, weil er sich seit Jahrzehnten der gesamten politischen Correctness der medialen Öffentlichkeit widersetzt und dabei auch noch authentisch wirkt. Er ist so etwas wie ein sich selbst treu gebliebener Harald Schmidt, der niemals aufgehört hat, Sendungen wie Schmidteinander mit Herbert Feuerstein zu machen. Eine kontroverse Meinung zum Phänomen der öffentlichen Person Clarkson kann man sich beim neuerdings als Chefmoralist auftretenden Russell Brand anhören, der als medialer Charakter mindestens ebenso interessant ist.

Man könnte sich jetzt fragen, was es über den Charakter einer Person wie der meinigen aussagt, wenn diese sich für kontroverse Persönlichkeiten der medialen Öffentlichkeit interessiert und diese auch noch stumpf imitiert, wie es im Titel dieses Artikels geschehen ist. Dass ich mich dafür entschuldige, mich rechtfertige, darüber reflektiere und dann auch noch über das Reflektierte reflektiere, macht mich nicht unverdächtiger. Ich hätte den Artikel ja auch einfach nicht veröffentlichen können. Nein, die vermutlich nackte Wahrheit ist, dass ich selbst gerne hin und wieder die Fassung verliere, laut herumpoltere, Grenzen verletze und dabei auch noch den moralischen Zeigefinger erhebe.

Die Frage, die sich mir an dieser Stelle stellt, ist: Welche öffentliche Person möchte ich eigentlich sein? Eigentlich möchte ich sein wie Douglas Adams: intelligent, humorvoll, fasziniert vom Leben, die Moral hinter einer Fassade von Ironie versteckend sowie überwiegend harmlos. Doch irgendetwas muss diesen Mann innerlich zerfressen haben, sonst wäre er nicht mit 49 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben. Die Tragik seiner öffentlichen Person beschreibt dieses Video meiner Ansicht nach sehr gut: Douglas Adams: Parrots the Universe and Everything. Für die Produktion der Radioserie „Die Letzten ihrer Art“ hat er fünf Jahre seines Lebens investiert. Man spürt in dem Vortrag regelrecht seine Faszination und Liebe für die Natur und die Nischen, in die sie sich mitunter hineinentwickelt hat. Seine Konklusion, dass der Erhalt der Artenvielfalt nicht nur moralisch sondern auch aus wissenschaftlicher Sicht für das Fortbestehen der Menschheit notwendig ist, ist herzergreifend. Und was fragen ihn seine Zuschauer nach dem Vortrag? Ob er denn immer wisse, wo sein Handtuch ist! Egal, was dieser Mann in seinem Leben gemacht hat, er wird bis heute immer auf sein erfolgreiches Erstlingswerk „Per Anhalter durch die Galaxis“ reduziert. Anstatt seine Zuschauer einmal ordentlich ins Gebet zu nehmen und sie zu fragen, ob sie ihm überhaupt zugehört haben, geht er auch noch höflich auf diese Fragen ein. Dann doch lieber ein polternder Jeremy Clarkson.

So, jetzt habe ich mich endgültig in der Einleitung und der galoppierenden Dampfplauderei verheddert. Das, was ich eigentlich schreiben wollte, passt jetzt überhaupt nicht mehr hierher. Und deswegen lasse ich es auch einfach weg. Lassen wir es doch einfach so stehen: Das Unterbewusstsein ist ein faules Arschloch. Ein stumpfsinniger, gewohnheitsgetriebener und völlig überbewerteter träger Sack, der vernünftigen Argumenten gegenüber einfach nicht aufgeschlossen ist. Wenn du mich verarschst, dann kann ich das auch.

Neues vom Hypertoni

Hypertoni

Vor einem Dreivierteljahr lag mein Blutdruck tagsüber bei irren 160 zu 120 – trotz Nichtrauchen, Sport und gesunder Ernährung. Ein gesunder Blutdruck liegt bei 120 zu 80. Ich war verantwortlich für ein IT-Projekt, das über einen Zeitraum von zwei Jahren immer wieder zu scheitern drohte. Ich habe meine gesamte Energie aufgebracht, um dem äußeren Druck standzuhalten. Das Projekt ist Ende letzten Jahres geglückt, und ich habe mich selbst in die Freiheit entlassen.

Seit etwas über einem halben Jahr habe ich täglich blutdrucksenkende Tabletten eingenommen. Nun habe ich diese Tabletten abgesetzt. Ohne Medikamente stiegen die Werte erst leicht an, um sich jetzt wieder auf ein Normalmaß zu stabilisieren.

Einer ist immer der Hypertoni. Ich jetzt nicht mehr.